Offenbarung Kapitel 22

Autor: Reinhard Briggeler


Einleitende Gedanken

Der Ausdruck "er zeigte mir" markiert den Beginn eines neuen Abschnitts: Nach der Offenbarung der "heilige Stadt, Jerusalem" 21,9 folgt nun die Schau "Strom von Wasser des Lebens". Dennoch bildet der Abschnitt 21,9 - 22,5 eine thematische und inhaltliche Einheit. Das zeigen unter anderem die fortlaufenden Bezüge "ihrer" und "in ihr", die sich weiterhin auf die heilige Stadt Jerusalem beziehen. Auch V 5 steht in engem Zusammenhang mit 21,23 und 21,25, was den fortlaufenden Gedankenfluss bestätigt.

 

In diesem Licht erscheint die gängige Kapiteleinteilung etwas unglücklich: 21,1-8 gehört inhaltlich eigentlich noch zur abschliessenden Gerichtsvision aus Kapitel 20. Demnach könnte 21,9-22,5 als ein eigenes Kapitel verstanden werden, das das neue Jerusalem in Bezug auf das 1000-jährige Reich beschreibt. Die Verse 22,6-21 würden dann das eigentliche Schlusskapitel - den Epilog - des Buches der Offenbarung bilden.

Fülle des Lebens und des Segens | 22,1-2

1 Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes.

V 1 | Weitere Dinge des neuen Jerusalems werden uns nun offenbart: Einmal "den Strom von Wasser des Lebens". Der Strom ist "glänzend wie Kristall". Hier ist es wichtig zu sehen, woher dieser Strom kommt: "aus dem Thron Gottes und des Lammes". Das bedeutet: Das ewige Leben entspringt nicht aus der Schöpfung selbst, sondern direkt aus Gott - aus Seinem Thron, dem Ort der Autorität, Herrschaft und Gnade. Und es ist nicht nur "der Thron Gottes", sondern auch "des Lammes" – also des HERRN Jesus Christus, des geopferten und siegreichen Erlösers. Hier wird deutlich und ist für alle Zeitalter gültig: Göttliches Leben fliesst nur aus dem vollkommenen Erlösungswerk Jesu Christi. Ohne das "Lamm" gäbe es auf ewig keinen Zugang zu diesem "Strom des Lebens."

2 In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt; und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen.

V 2 | Wie schon erwähnt, herrschen im neuen Jerusalem vollkommene Zustände. Alle Bewohner der Stadt sind Erlöste und kommen uneingeschränkt in den Genuss der Herrlichkeit Gottes und des Segens Gottes. "Der Baum des Lebens", "der in der Mitte der goldigen Strasse und des Stromes" sein wird, wird "jeden Monat seine Früchte tragen". Die Bewohner der Stadt (die Erlösten), können diese Früchte geniessen. Das neue Jerusalem wird in allen Belangen überfliessend von Fülle und Segen sein. Während dem 1000-jährigen Reich werden auch die Nationen in den Genuss der Stadt kommen, denn "die Blätter des Baumes des Lebens sind zur Heilung der Nationen." Auch hier sehen wir wieder, wie unterschieden wird zwischen den erlösten und auferstandenen Bewohnern der Stadt und den noch nicht vollendeten Bewohnern der Erde im 1000-jährigen Reich.

Letzte Offenbarungen bezüglich Ewigkeit der Erlösten | 22,3-5

3 Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen, 4 und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein. 5 Und Nacht wird nicht mehr sein und kein Bedürfnis nach einer Lampe und dem Licht der Sonne; denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

V 3-5 | In den letzten drei Versen dieses achten und letzten Einschubs erfährt der Leser letzte Offenbarungen über die Erlösten des neuen Jerusalems.

"Keinerlei Fluch wird mehr sein". Dies führt uns zurück zu Gen 3,14-19, wo der Fluch begann. Interessanterweise schliesst das Alte Testament mit der Aussage: "... damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage" (Mal 3,24). (Das hier mit Bann übersetzte Wort lässt sich auch mit Fluch übersetzen.) Aber das Neue Testament verkündet "Keinerlei Fluch wird mehr sein." Satan wird in die Hölle geschickt werden, die ganze Schöpfung wird neu gemacht werden, und der Fluch der Sünde wird für immer verschwunden sein.

Was werden wir im Himmel bis in alle Ewigkeit tun? Wir werden sicherlich den Herrn loben, aber wir werden ihm auch dienen. Die Aussage "seine Knechte werden ihm dienen" ist für uns eine grosse Ermutigung, denn im Himmel wird unser Dienst vollkommen sein. Wenn wir versuchen, dem Herrn hier auf der Erde zu dienen, werden wir ständig durch unsere Sünde und Schwachheit behindert; aber alle Hindernisse werden verschwunden sein, wenn wir in die Herrlichkeit gelangen. Vollkommener Dienst in einer vollkommenen Umgebung!

Was wird dieser Dienst sein? Das erfahren wir nicht, wir müssen es auch nicht wissen. Es genügt, dass wir wissen, was Gott heute von uns möchte. Unsere Treue im Leben bereitet uns auf einen höheren Dienst im Himmel vor. Manche Bibelausleger glauben sogar, dass wir Zugang zum weiten Universum haben und vielleicht auf besondere Missionen an andere Orte geschickt werden. Aber solche Spekulationen sind nutzlos, weil Gott es nicht für angemessen hielt, uns weitere Details mitzuteilen.

Wir werden im Himmel nicht nur Diener sein, sondern auch Könige. Wir werden in alle Ewigkeit herrschen! Das heisst, wir werden in der Herrlichkeit Anteil an Christi Autorität haben. Als Gläubige sitzen wir heute neben Christus im Himmelreich (Eph 2,1-10), aber in der Ewigkeit werden wir als Könige über den neuen Himmel und die neue Erde herrschen. Welche Ehre! Welche Gnade!

Man kann sicherlich viele interessante Fragen über unsere zukünftige Wohnstätte im Himmel stellen, aber die meisten werden unbeantwortet bleiben, bis wir in unserem herrlichen Zuhause ankommen. Johannes beendet sein Buch sogar mit der Erinnerung daran, dass wir heute Verantwortung haben, weil wir auf den Weg in den Himmel sind.[1]

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[1] Warren W. Wiersbe

Epilog | 22,6-21

Im Epilog des Buches berichtet Johannes von den abschliessenden Anweisungen, die Gott ihm gegeben hat. Ziel ist es, die Leser einerseits zu trösten, aber auch zu warnen und die göttliche Autorität der Offenbarung zu bekräftigen. Diese letzten Verse fassen eindringlich zusammen, welche praktischen Lehren der Leser aus dem Buch der Offenbarung ziehen muss. Dieser letzte Abschnitt besteht aus Wortwechseln zwischen einem Engel und Johannes und zwischen Jesus und Johannes. Drei Schwerpunkte kennzeichnen diesen Epilog:

 

(1) Diese Prophezeiung hat Gottes Siegel der Wahrhaftigkeit (V 6-7, 8-9, 16, 18-19)
(2) Jesus wird bald (jederzeit möglich) wiederkommen (V 6-7, 10, 12, 20)
(3) Die Ungläubigen sollen sich fürchten, und die Gläubigen sollen Mut fassen (V 11-12, 15, 17-19)

Worte des Trostes und der Ermutigung | 22,6-17

Mit Offb 22,5 ist die prophetische Offenbarung abgeschlossen und vollendet. Johannes hat dem Leser Gottes neue Schöpfung, d.h. die neue ewige Ordnung offenbart. Dies soll dem Gläubigen nicht nur Ziel, sondern auch Motivation sein! Das Wissen, dass der Wohnort der Kinder Gottes im himmlischen Jerusalem sein wird, soll im hier und jetzt einen Unterschied machen. Paulus sagt in seiner Verteidigungsrede vor Felix: "Und (ich) die Hoffnung zu Gott habe …, dass eine Auferstehung sein wird, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten. 16 Darum bemühe ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Anstoss zu haben vor Gott und den Menschen." (Apg 24,15-16)

Gottes Siegel der Gewiss- und Wahrhaftigkeit | 22,6

6a Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig, und der Herr,

V 6a | Hier finden wir abermals die göttliche Bestätigung, dass die Worte dieses Buches "gewiss und wahrhaftig" sind (Vgl. 15,3; 16,7; 19,2; 19,10b). Derselbe Gott, der durch die Propheten (AT und NT) gesprochen hat, spricht nun abschliessend durch den Apostel-Propheten Johannes. Somit kann die von Johannes verfasste Offenbarung nicht vom Rest der Bibel getrennt werden. Alle 66 Bücher der Bibel, inkl. der Offenbarung, sind vom Hl. Geist eingegeben (theopneustos=eingehaucht, vgl. 2Tim 3,16) und tragen in allen Belangen Gottes Siegel der Wahrhaftigkeit. Es gilt sogar anzufügen, dass es kaum ein Buch in der Bibel gibt, welches ein stärkeres göttliches Zeugnis der Wahrhaftigkeit aufweist als das der Offenbarung. Der Zweck dieses Verses ist es, die Gewissheit und Wahrhaftigkeit dieser Offenbarung zu bekräftigen und Vorfreude zu wirken hinsichtlich der Erfüllung der Worte der Weissagung.

6b der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss.

V 6b | "Der Gott der Geister der Propheten" hat als Vermittler der Botschaft seinen Engel gesandt, um "seinen Knechten" zu verkündigen, was "bald geschehen muss". "Bald" in diesem Kontext bedeutet "in Kürze", d.h. die Worte dieser Weissagung fangen an, sich in Kürze zu erfüllen und alle geschilderten Ereignisse werden zügig nacheinander sattfinden. "Bald" drückt zudem aus, dass Gott unwiderruflich entschlossen ist, alles prophetisch Angekündigte zur Erfüllung, bzw. zur Vollendung zu bringen!

Der Herr kann jederzeit wiederkommen | 22,7

7a Und siehe, ich komme bald. Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt!

V 7a | Dreimal werden in diesem Epilog die Worte Jesu proklamiert: "Ich komme bald" (Vgl. 12.20)! Der Leser wird daran erinnert, dass die Wiederkunft Jesu gewiss ist und für die Gemeinde jederzeit geschehen kann.

Das ganze Buch der Offenbarung weckt und nährt diese Gewissheit; es weckt auch den Ruf: »Komm, Herr Jesus!« (Verse 17.20). Und unsere Sehnsucht nach Ihm stärkt auch das Verlangen, Ihm zu gefallen (2Kor 5,7-9); "denn wer diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist." (1Joh 3,3)

Das ist überdies ein weiteres Indiz dafür, dass die Entrückung der Gemeinde vor den Ereignissen liegt, die in den Kapiteln 6 bis 19 beschrieben werden. Wir sahen in den Kapiteln 11 bis 13, wie die Zeit der grossen Drangsal exakt 42 Monate oder 1260 Tage dauert und durch das Erscheinen des Herrn beendet wird. Das werden die bedrängten Heiligen wissen, und sie werden dieses Wissen brauchen, um am Kommen des Herrn nicht zu verzweifeln. Der Gemeinde hat der Herr hingegen keinen Zeitpunkt und keine Termine genannt. Wir warten auf Sein Kommen (1Thess 1,9.10), und für uns gilt, was im Schlusswort ausdrücklich an die Gemeinde gerichtet ist (V 16): Der Herr kommt bald.[1]

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[1] Benedikt Peters – Geöffnete Siegel

7b Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt!

V 7b | Wer das Wort Gottes im Allgemeinen und die Worte Jesu in diesem Buch im Besonderen, bewahrt, wird als "glückselig" bezeichnet. Dies ist die sechste und damit vorletzte Seligpreisung in der Offenbarung, in der Menschen als glückselig benannt werden. Das bedeutet: Überreich gesegnet sind all jene, die Gottes Wort im Glauben annehmen und es in ihrem Herzen bewahren! Jeder Christusgläubige ist dazu aufgerufen, das Wort Gottes zu studieren, es zu tun und es festzuhalten.

Anbetung gehört Gott allein! | 22,8-9

8 Und ich, Johannes, bin der, der diese Dinge hörte und sah; und als ich sie hörte und sah, fiel ich nieder, um anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir diese Dinge zeigte. 9 Und er spricht zu mir: Sieh zu, tu es nicht. Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, der Propheten, und derer, die die Worte dieses Buches bewahren. Bete Gott an.

V 8-9 | Überwältigt von dem, was Johannes sah und hörte, fiel er nieder, "um anzubeten zu den Füßen des Engels". Die Reaktion des Engels ist gleich wie bereits in 19,10. Der Engel verwehrt Johannes abermals die Anbetung! Der Engel ist nicht eine Gottheit, sondern "ein Mitknecht und der deiner Brüder, der Propheten, und derer, welche die Worte dieses Buches bewahren." Der Engel betrachtete sich als "Mitknecht" von Johannes und dessen "Brüdern, der Propheten". Der Engel nahm seinen Platz als Geschöpf Gottes ein. Wie Johannes, war auch der Engel ein von Gott geschaffenes Wesen, und geschaffene Wesen werden nicht angebetet (Apg 10,25) Fazit: Wahre Gläubige beten weder Menschen noch Engelswesen an, sondern Gott allein (1,17).

Verständlichkeit der Weissagung | 22,10

10 Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches; denn die Zeit ist nahe.

V 10 | Johannes erhielt vom Engel die Anweisung, sein Buch nicht zu versiegeln, denn die Erfüllung "der Weissagung dieses Buches" "ist nahe". Dies bedeutet, dass das Buch der Offenbarung für die Seinen verständlich ist. Zugegeben, nicht jede Einzelheit, Vision oder bildliche Darstellung des Buches ist einfach zu erklären! Doch die Grundbotschaft der Offenbarung wird durch sorgfältiges Studium doch sehr deutlich: Der Herr kommt zurück, und jeder Mensch, seien es Gläubige oder Ungläubige müssen ob dieser unabwendbaren Tatsache die entsprechenden Schlüsse für ihr Leben ziehen.

Die Offb ruft den Leser zu einer Entscheidung auf! Den Gläubigen zu Treue, zum Ausharren und zum Bewahren des Glaubens, den Ungläubigen zur Busse, d.h. zur reuigen Hinwendung zum ewigen Evangelium (Vgl. 14,6).

Aufruf zur Entscheidung | 22,11

11 Wer unrecht tut, tue noch unrecht, und wer unrein ist, verunreinige sich noch, und wer gerecht ist, übe noch Gerechtigkeit, und wer heilig ist, sei noch geheiligt.

V 11 | Dieser Vers schliesst sich dem vorangegangen Vers an und gilt für alle Menschen im hier und heute. Er enthält eine doppelte Gegenüberstellung "unrecht/unrein" vs. "gerecht/heilig" und verdeutlicht damit einmal mehr die Zweiteilung der Menschheit, wie sie durch das gesamte Buch der Offenbarung zieht: Die, die das Tier anbeten, und die, die dem Lamm folgen.

Diese Worte spiegeln die endgültige Natur des Gerichts wider. Sie mahnen zur Entscheidung jetzt, solange es noch Gnade gibt, eine Dringlichkeit, die schon Paulus dargelegt hatte: "Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils." (2Kor 6,2b)

Belohnung | 22,12-13

12 Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.

V 12 | Hier finden wir zum zweiten Mal die Worte "Siehe, ich komme bald"! Jesus Christus wird zurückkommen "und mein Lohn mit mir". Die Errettung ist gegründet in Gottes Gnade allein, doch der Lohn wird durch die Werke des Menschen allein begründet. "Werke" ist die Währung des Himmels!

Die Ungläubigen haben ihren Lohn schon hier auf Erden bekommen. Für sie wird die Ewigkeit nur Verlust bedeuten ohne jegliche Hoffnung auf Besserung. Ihr Schicksal ist ihrem bösartigen, gottfeindlichen und rebellischen Wesen würdig: Der Feuersee!

Die Gläubigen hingegen dürfen wissen, dass wer sich Gott naht und Ihn im Glauben sucht, Er ein Belohner sein wird (Hebr 11,6).

13 Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

V 13 | Zum dritten und letzten Mal stellt sich der Herr hier als "das Alpha und das Omega" vor. Das Alpha und das Omega markieren den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets und stehen im biblischen Kontext für das gesamte Wort Gottes und den gesamten Ratschluss Gottes. Nur einer kann mit voller Autorität sagen: Ich bin das Wort Gottes.

Er ist auch "der Erste und der Letzte" - ein Titel, den Gott selbst bereits in Jes 44,6 und 48,12 für sich in Anspruch genommen hatte. In diesem Vers nun wird klar wer gemeint war, nämlich jener Gott-Mensch, der sich selbst erniedrigt hat, aber vor allem anderen existierte und immer der "Ich bin" bleiben wird - von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Ebenso ist er "der Anfang und das Ende". Das bedeutet nicht, dass er selbst einen Anfang gehabt hätte - im Gegenteil: Er ist der Ursprung allen Seins, "der Anfang [der Ursprung] der Schöpfung Gottes" (3,14). Und Er ist auch "das Ende", denn in Ihm kommt alles zur Vollendung (Vgl. 10,7). Alles hat in Ihm seinen Ursprung und in Ihm auch sein Ziel.

Zwei Gruppen | 22,14-15

14 Glückselig, die ihre Gewänder waschen, damit sie ein Recht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen!

V 14 | In diesem Vers begegnet uns die siebte und damit letzte Seligpreisung der Offenbarung. Glückselig wird hier derjenige genannt, dessen "Gewänder gewaschen" und dadurch rein geworden sind. Dieses Bild verweist direkt auf das Erlösungswerk Jesu am Kreuz. Bereits in 1,5c haben wir gelesen: "Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut." Der Gläubige ist durch das vollkommene Erlösungswerk des HERRN Jesus vollständig gerechtfertigt und von aller Schuld freigesprochen worden, allein aufgrund von Gnade. Diese Rechtfertigung geschieht nicht durch eigene Werke oder Verdienste, sondern allein durch das Blut des Lammes.

Johannes schrieb in seinem Evangelium: "So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht [Vollmacht], Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben." (Joh 1,12) Im Glauben an das, was Jesus am Kreuz getan hat, kann der gläubige Mensch jetzt schon rechtmässig eine Stellung einnehmen in den "himmlischen Örtern" (Vgl. Eph 1,3; 2,6: Kol 1,13, 2,12). Jesus hat dem Gläubigen das "Recht" (die Vollmacht) erkauft, Teil der ersten Auferstehung zu sein. Dadurch haben sie nun Zugang zum "Baum des Lebens" und haben Anteil an der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalems.

15 Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.

V 15 | Hier nun wird beschrieben, was das Schicksal derer ist, die "draussen" sind. Jene, die über Jahrhunderte hinweg das Evangelium abgelehnt haben, die das Erlösungswerk Jesu als unnötig angesehen, oder sogar als Unfug abgetan haben. Ja, diese sind nun "draussen"! Ausserhalb der Gnade Gottes, ausserhalb der Stadt, ausserhalb der neuen Ordnung. Ihr Leben lang wollten sie getrennt von Gott sein, nun erhalten sie ihren gerechten Lohn dafür, die ewige Trennung von Gott im Feuersee (21,8).

Hier erfolgt eine Aufzählung derer, die "draussen" sind: "Die Hunde, die Zauberer, die Hurer, die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut." (Vgl. 21,8)

Die erste Gruppe in dieser Sünderaufzählung sind die "Hunde". Dieser Begriff hat in der Bibel oft einen negativen Inhalt. So wurde dieser Begriff auf Menschen angewandt, mit niedrigem moralischem Charakter. Als "Hunde" bezeichnet werden: Unnütze Leiter des Volkes (Jes 26,10-11), homosexuelle Prostituierte (Dt 23,19), unreine Heiden (Mt 15,26) und jüdische Irrlehrer (Phil 3,2).

Die letzten zwei Kapitel der Bibel betonen das Problem der Lüge. Dreimal ist von denen die Rede, die die Lüge praktizieren:

(1) Allen Lügnern "ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt" (21,8)
(2) jeder, "der Lüge tut", wird nicht Gottes ewige Stadt hineinkommen (21,27)
(3) jeder, "der die Lüge liebt und tut" (V 15), ist "draussen".

Lüge ist die letzte Sünde, die in der Bibel verurteilt wird, vielleicht weil es eine Lüge war, durch die die Sünde zuerst in die Menschheit kam (Gen 3,1-5; vgl. Joh 8,44). Diese Worte sollten eine Warnung für diejenigen in den Gemeinden sein, die meinen, Gott würde Lüge, Heuchelei und Betrug tolerieren.

Christologie | 22,16

16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch diese Dinge zu bezeugen in den Versammlungen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern.

V 16 | Die Kombination "Ich, Jesus" kommt nirgendwo sonst im NT vor. Hier wird sie verwendet, um die göttliche Autorität dieser Weissagung zu betonen und zu stärken (Vgl. V 7.12).

"Mein Engel" ist der Hauptengel, der Johannes schon viele Dinge offenbarte (Vgl. 1,1; 22,6). Der von Jesus speziell beauftragte Engel gab die gesamte Offenbarung - "diese Dinge" - dem Johannes für die Gemeinden. Also nicht nur für die Gemeinden in Kleinasien, sondern für alle Gemeinden, zu allen Zeiten und an allen Orten. Dies ist der erste wörtliche Hinweis auf die Gemeinde (gr. ekklesia) seit den sieben Sendschreiben in den Kapitel 2 und 3.

Jesus sagt: "Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids." Mit dem "Ich bin" betont Jesus Christus abermals Sein göttliches Wesen. König David gründete das alte Jerusalem als Hauptstadt Israels, aber Davids "grösster" Sohn (Nachkomme), Jesus Christus, wird das neue, d.h. das himmlische Jerusalem errichten. Allerdings war Christus, bevor König David war. Als "die Wurzel … Davids" brachte Christus David hervor. Darum das "Ich bin"! Christus ist der Ewigseiende! Weiter hält Jesus Christus fest, dass Er dem "Geschlecht Davids" entspringt, d.h. ein Nachkomme des Königs David ist (Vgl. Jes 11,1). Jesus kam in diese Welt, geboren als Jude aus der Linie Davids. Somit ist in diesem Namenstitel, sowohl Sein göttliches als auch Sein menschliches Wesen ersichtlich. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich! Folglich erfüllt der Herr Jesus alle Prophezeiungen, die über das Haus Davids ausgesprochen worden sind.

Jesus nennt sich selbst "der glänzende Morgenstern". Der "Morgenstern" kündigt den Anbruch eines neuen Tages an. Er ist Gott! Er ist der "glänzende Morgenstern"! Während es noch dunkel ist und ehe die Sonne aufgegangen ist, ist der "glänzende Morgenstern". Jesus Christus wird kommen als der göttliche "Morgenstern", einmal um Seine Gemeinde durch die Entrückung zu sich zu holen, und andererseits für den gläubigen jüdischen Überrest bei Seinem zweiten Kommen (Vgl. 2,28). Seine verbleibenden zwei Kommen verkündigen einen neuen Tag, mit jeweils ewigen Folgen und Auswirkungen. Jesus Christus ist der, der vom heidnischen Wahrsager Bileam angekündigt worden ist: "Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich schaue ihn, aber nicht nahe. Es tritt hervor ein Stern aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel und zerschlägt die Schläfen Moabs und zerschmettert alle Söhne Sets. 18 Und Edom wird sein Besitz, und Seïr wird sein Besitz, seine Feinde; und Israel wird Mächtiges tun. 19 Und einer aus Jakob wird herrschen, und er wird den Rest aus der Stadt verloren gehen lassen." (Num 24,17-19)

Die "Wurzel" ist in der Erde verborgen, wo sie niemand sehen kann. Der "glänzende Morgenstern" hingegen erscheint am Himmel, sodass jeder ihn sehen kann! Das Volk Gottes hat seine "Wurzel" in Christus Jesus, d.h. Er ist der Ursprung und die Quelle des Lebens. Als "glänzender Morgenstern" ist Er der, der für alle Menschen sichtbar kommen wird am Ende der Trübsal. Damit wir der HERR Jesus Hoffnung und Trost des gläubigen Überrests sein!

Komm, Herr Jesus! | 22,17

17a Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm!

V 17a | Der vorangegangene Vers löst eine Proklamation beim Hl. Geist und der Braut (Volk Gottes) aus! "Und der Geist und die Braut sagen: Komm!" Gemeinsam wird im Gebet die Sehnsucht ausgedrückt, dass Jesus als "Wurzel und das Geschlechts Davids" und als "glänzender Morgenstern" Sein Volk in Seinem Kommen bald heimsuchen solle! Das ist die Antwort des Glaubens!

Hier finden wir die letzte Erwähnung des Heiligen Geistes in der Bibel. Es ist der Hl. Geist, der die Gläubigen leitet, inspiriert, festigt und gründet. Er ist es, der den Gläubigen Leben und Stärke gibt, und sie ermutigt in Hingabe zu Jesus Christus in Gehorsam zu leben. Es ist der Hl. Geist, der die Gemeinde in alle Wahrheit führt. Es ist der Heilige Geist, der die Gemeinde bevollmächtigt, in Seiner Kraft das ewige Evangelium allen Menschen zu verkündigen, bis der Herr Jesus in Pracht und Herrlichkeit zurückkommt (Vgl. Apg 1,5-8; 2,4).

Nun ladet Jesus Christus seinerseits zum Gebet ein: "Wer es hört, spreche: Komm!" Dieser Gebetsaufruf gilt für alle Gläubigen, zu allen Zeiten und an allen Orten. Es gehört zum Gebetsauftrag der Gemeinde, für Seine Wiederkunft zu beten (Vgl. Mt 6,10; Lk 11,2)! Wie eine Braut sehnsüchtig die Vereinigung mit dem Bräutigam erwartet, so soll die Gemeinde das Kommen des Herrn Jesus erwarten! Eine Braut ohne diese Sehnsucht der Naherwartung ist (noch) nicht wirklich Braut, bzw. (noch) nicht wirklich Gemeinde!

17b Und wen dürstet, der komme; wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.

V 17b | "wen dürstet, der komme!" – das ist eine umfassende Einladung. Es gibt keine Einschränkungen, keine Bedingung ausser dem Wollen: Wer Durst hat nach Leben, Wahrheit, Hoffnung, Frieden, nach Gemeinschaft mit Gott, der darf kommen.

Das, was angeboten wird, ist das "Wasser des Lebens" – ein Bild auf das nie versiegende Leben Gottes (Vgl. Joh 4,14). Es ist das gleiche "Wasser des Lebens", das in 22,1 aus dem Thron Gottes und des Lammes hervorging.

Und dann kommt der entscheidende Zusatz: "umsonst" – d.h.: ohne Bezahlung, ohne Verdienst, ohne Werke. Dieses Leben kann nicht erarbeitet oder verdient werden, sondern wird allein aus Gnade geschenkt. Eine unverdiente Gabe für den, der kommt, für den, der will. Diese Einladung spiegelt das Herz Gottes wider: Er zwingt niemanden, aber Er lädt jeden ein.

Worte der Warnung | 22,18-19

18 Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind;

V 18 | Die Warnungen in den folgenden zwei Versen stehen in scharfem Kontrast zur liebevollen Einladung des Hl. Geistes im vorangegangenen Vers. Diese Warnungen hinsichtlich des Umgangs mit Gottes Wort sind nicht die ersten dieser Art (Vgl. Dt 4,2; Spr 30,5-6; Jer 26,2).

Die erste Warnung ergeht an alle Menschen, unabhängig von Zeit und Ort, zu den Dingen, die in diesem "Buch" (Offb) stehen, etwas hinzufügen. Gott stellt damit unmissverständlich klar: Das Wort Gottes ist vollständig und unantastbar. Der Reformator Martin Luther schrieb ein bekanntes Lied "Eine feste Burg ist unser Gott", das oft als die "Hymne der Reformation" bezeichnet wird. In diesem Lied schrieb er "Das Wort sie sollen lassen stahn!" Ein Ausruf, der über alle Zeitalter hinweg seine Gültigkeit hat!

Besonders in diesem "Buch" der Offenbarung, welches das Ende der Welt, das Gericht, das ewige Leben und das ewige Verderben beschreibt, wiegt ein solcher Eingriff besonders schwer. Das Gericht ist entsprechend hart: "Gott wird ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen."

Diese Aussage greift das grundlegende biblische Prinzip auf: "Ihr sollt nichts hinzutun zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete." (Dt 4,2). Gottes Wort ist heilig und abgeschlossen! Wer, aus welcher Motivation und in welcher Form auch immer, etwas hinzufügt oder wie im nächsten Vers erwähnt, davon wegnimmt, stellt sich nicht nur gegen die "Worte der Weissagung", sondern gegen den Gott der Bibel selbst: den ewigen und unveränderlichen Gott. Dieser Vers verurteilt letztlich jeden ungebührlichen Umgang mit dem Wort Gottes.

19 und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott sein Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, wovon in diesem Buch geschrieben ist.

V 19 | Die zweite Warnung gilt all jenen, die "von den Worten des Buches dieser Weissagung" wegnehmen. Gemeint sind hier nicht kleinere Einzelheiten der Auslegung, sondern grundsätzliche Irrlehren was einem offenen Angriff auf die Inspiration und Vollständigkeit der Bibel gelichkommt. Wer solches tut, dem "wird Gott sein Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, wovon in diesem Buch geschrieben ist."

"Wer etwas wegnimmt von den prophetischen Aussagen des Buches, zeigt damit, dass er es verdient, vom Buch des Lebens, von der heiligen Stadt sowie von den Verheißungen und Segnungen dieser Prophetie ausgeschlossen zu werden. Das kann nur bedeuten: Er wird in den Feuersee geworfen, denn alle, die nicht im Buch des Lebens geschrieben stehen, werden in den Feuersee geworfen. Dies ist eine ernste Warnung davor, die Worte Gottes zu verachten, sie zu verdrehen oder die Botschaft des Buches zu verfälschen."[1]

" Diese Warnungen vor einem Verändern des Bibeltextes repräsentieren das Ende des ntl. Kanons. Jeder, der sich an der Wahrheit zu schaffen macht und versucht, sie zu verfälschen, zu kürzen, abzuändern oder umzudeuten, wird die Gerichte erleiden, die in diesen Versen beschrieben sind."[2]

"Wir dürfen dem Wort Gottes nichts hinzufügen oder etwas von ihm wegnehmen. Und diese Verantwortung ist besonders gross!"[3]

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[1] Charles C. Ryrie

[2] John MacArthur - Studienbibel

[3] Warren W. Wiersbe

Einschub | GOTT und SEINEM Wort verpflichtet

In Offb 3 finden wir das Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea. Der Name Laodizea deutet an, was das Problem dieser Gemeinde ist: Laodizea = Volksrecht (Regierung der Menschen). D.h., dass die Gemeinde dazu neigte dem gesellschaftlichen und sozialen Druck nachzugeben. Das Ergebnis war, dass die Gemeinde weder heiss noch kalt war und somit in der Gefahr stand, von Jesus ausgespien zu werden. Laodizea war zu einer Gemeinde geworden, die es nicht mehr zuliess, dass der Geist Gottes durch Gottes Wort in das Leben der Gemeinde hineinwirken konnte. Die Bibel war nicht mehr die alleinige Autorität in Lehre und Praxis der Gläubigen, sondern vielmehr wurde der soziale und gesellschaftliche Druck zur eigentlichen Autorität. Laodizea passte sich dem Zeitgeist an, und Gottes Wort wurde zugunsten der gesellschaftlichen Meinung weitgehend geopfert.

 

Aus prophetischer Sicht steht die Gemeinde von Laodizea für die Gemeinde vor der Entrückung. Gerade die heutige Generation hat viel biblischen Grund zu glauben, dass die Gemeinde Jesu vor der baldigen Entrückung steht. Somit manifestieren sich die Probleme der Gemeinde in Laodizea stark in der heutigen Zeit. Heute ist die Zeit, wo die Gemeinde sich im prophetisch angekündigten Abfall befindet, im Besonderen im Abfall dem Wort Gottes gegenüber. Nicht wenige Gemeinden und Gemeindeverbände wollen sich äusserlich, aber auch inhaltlich der Gesellschaft anpassen, oft mit der Begründung als Gemeinde stets relevant zu sein gegenüber den gesellschaftlichen Bedürfnissen und Anliegen. Aber genau darin liegt der Abfall von Gottes Wort begründet, denn von Gott beglaubigte Relevanz ist ausschliesslich in Ihm und Seinem Wort begründet.

 

Folgende Themen werden zwar nicht nur aufgrund des gesellschaftlichen Drucks von diversen Gemeinden und Gemeindeverbänden zunehmend in Frage gestellt, sondern auch wegen dem Einfluss liberaler Theologie, oder auch mangelhafter Theologie:

 

- Sechstage-Schöpfung / wörtl. Auslegung der Bibel
- Dienst der Frau in der Gemeinde (Predigtdienst/Ordination)
- Eschatologische Irrlehren / Amillennialismus
- Biblisch unbegründete Erweckungsvisionen
- Enterbung der jüdischen Identität / Christlicher Antisemitismus
- Ersatztheologie
- Gesetz / Gesetzlichkeit
- Mosaisches Gesetz vs. Christi Gesetz
- Facetten der Allversöhnungslehre
- Ökumene / Anbiederung an die röm. kath. Kirche
- Homosexualität / gleichgeschlechtliche Ehe / Ehe für alle
- Homosexualität und geistlicher Dienst
- Scheidung / Wiederheirat
- usw. 

 

Im Zuge des gegenwärtigen gesellschaftlichen Drucks, sowie den gefährlichen Einflüssen liberaler Theologie, steht die Gemeinde in der Pflicht, in Lehre und Praxis Gottes Wort zu studieren und entsprechend umzusetzen.

Schlusswort und Segen | 22,20-21

20a Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald.

V 20a | "Der diese Dinge bezeugt." Nochmals (vgl. V 16) bezeugt Jesus Christus die Autorität dieses Buches und damit natürlich auch die Autorität der gesamten Bibel! Derselbe Gott, der durch die Propheten sprach, sprach nun am Ende des ersten Jhdt. abschliessend durch den Apostel Johannes. Das Buch der Offenbarung markiert den würdigen Abschluss der gesamten Schrift-Offenbarung Gottes und kann darum nicht vom Rest der Bibel getrennt werden. Wer Inhalt und Wahrheit der Offb leugnet, leugnet unweigerlich Inhalt und Wahrheit der gesamten Schrift.

"Ja, Ich komme bald" - das sind die letzten Worte Gottes in der Schrift. Diese drei Worte fassen die gesamte Schrift-Offenbarung in genialer Weise zusammen! So wie Salomo, in seiner verzweifelten Suche nach dem eigentlichen Sinn und Zweck der menschlichen Existenz, in einem einzigen Satz das Ergebnis seiner Suche zusammenfasst: "Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus." (Pred 12,13, SLT) So fasst der Herr Jesus in gleicher Weise im Satz "Ich komme bald" den gesamten Schrift-Ratschluss Gottes zusammen! Treffend hat Jesus Christus über Salomo gesprochen: "Denn sie (Königin des Südens) kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist hier." (Lk 11,31)

"ICH", das ist JESUS CHRISTUS! In V 13 lesen wir: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende." Dies hat sich nun in Bezug auf die Schrift-Offenbarung abschliessend erfüllt. ER "kommt bald", d.h., dass Sein Kommen nicht nur jederzeit möglich ist, sondern genauso geschehen wird, wie es die heiligen Propheten angekündigt haben. Sein Kommen ist somit gewiss und wird ohne Verzögerung geschehen.

20b – Amen; komm, Herr Jesus!

V 20b | Auf diese monumentalen letzten Worte des Herrn Jesus Christus kann es nur eine Antwort geben: "Amen; komm, Herr Jesus!" - Im letzten Gebet der Bibel bekennt der Gläubige die uneingeschränkte Autorität des Herrn Jesus Christus und seines Wortes über das eigene Leben. Mit dem Wort "Amen" bestätigt der Christusgläubige, dass die gesamte Schrift, d.h. alle 66 Bücher der Bibel, verbindliches und unantastbares Gesetz Gottes ist für jeden Aspekt des Lebens. Die Gemeinde Jesus und ihre Leiterschaft sind unmissverständlich angehalten, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen und entsprechend der gesunden Lehre des Evangeliums mit Ausdauer und Beharrlichkeit zu leben, bis ER kommt!

21 Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen!

V 21 | Johannes schliesst Gottes Wort mit einem wunderschönen Segen ab: "Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen!" Was für eine Hoffnung, was für ein Trost für allen Gläubigen: Die Gnade des Herrn Jesus hat das letzte Wort! Möge dieser Segen allen Kindern Gottes in ihren täglichen Mühen, Nöten und Herausforderungen hell im Herzen aufleuchten, um getrost den irdischen Weg zu vollenden.

"Durch alle Wechselfälle des Lebens hindurch, bei allen Klippen und Schlingen, an denen wir noch vorbeimüssen, bis wir endlich jenes grosse Ziel erreicht haben, bleibt Seine Gnade mit uns. Daher haben wir in allen unseren Anfechtungen und trotz mannigfaltigem Versagen grossen Trost und grosse Gewissheit. Wir werden bald bei Ihm sein, wir alle, es wird keiner fehlen."[1]

Die Worte "Die Gnade des (unseres) Herrn Jesus" kommen in der Bibel gesamt vierzehn Mal vor. Die erste Erwähnung dieser Worte finden wir in Apg 15,11. Der Kontext dieser Erwähnung ist das Apostelkonzil in Jerusalem. Die zentrale Frage dieses Konzil war, ob die Beschneidung und der daraus resultierende Gehorsam dem mosaischen Gesetz gegenüber für die Errettung des Menschen unabdinglich sein soll. Als viel Wortwechsel unter den "Delegierten" entstand, stand Petrus auf und verkündete folgende monumentale Wahrheit: "Sondern wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene."

Hier hält Petrus unmissverständlich fest, dass weder Juden noch Heiden jemals gerettet werden können durch Beschneidung und Gehorsam gegenüber dem mosaischen Gesetz, sondern allein durch das Evangelium der Gnade des Herrn Jesus Christus.

Paulus, seinerseits wichtiger Teilnehmer des Konzils, sind diese Worte des Petrus Zeit seines Dienstes präsent und wichtig geblieben. Mehr noch, Paulus hat diese Worte der Hoffnung und des Trostes als Segensgruss in zwölf seiner Briefe verwendet (Röm 16,20b; 1Kor 16,23; 2Kor 13,14; Gal 6,18; Phil 4,23; 1Thess 5,28; 2Thess 3,18; Phlm 25. In 1.+2. Tim, Hebr, Tit verwendet Paulus den leicht abgeänderten Gruss "Die Gnade sei mit euch". Mit Ausnahme des Römer- und des Epheserbriefs hat Paulus in all seinen überlieferten Briefen, wenn auch teilweise in leicht abgeänderter Form, diesen Segensgruss verwendet. Er wurde somit zu einem Kennzeichen der Echtheit paulinischer Briefe.

Man könnte sogar sagen: Nicht nur Paulus nahm in seinen Segensworten Bezug auf Petrus, sondern auch der Apostel Johannes, über vierzig Jahre nach dem Apostelkonzil, greift in seinem abschliessenden Gruss der biblischen Offenbarung Worte auf, die auf Petrus zurückgehen.

Gerne schliesse ich mich diesem ewig gültigen Segenswunsch an:

Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen!

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[1] Benedikt Peters – Geöffnete Siegel



 

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