Maleachi Kapitel 3
D.2 Der Engel des Bundes: Sein erstes Kommen | 3,1
1 Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt: Siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen.
V 1 | Auf diese Spottfrage antwortete nun "der HERR der Heerscharen": "Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite." Wer war dieser Bote, der den Weg des HERRN ("vor mir") bereiten sollte? Maleachi (1,1)? Ein Priester (2,7)? Es würde tatsächlich ein (zumindest legitimierter) Priester sein, denn das NT identifiziert diesen angekündigten Boten mit Johannes dem Täufer (Mt 11,10; Mk 1,2; Lk 1,76; 7,27; vgl. Jes 40,3), dem Sohn des Priesters Zacharias (Lk 1,5).
Es ging aber nicht um den Wegbereiter, sondern um den, der "kommt": "Der Herr, den ihr sucht". Er ist der "Engel[1] des Bundes, den ihr begehrt". Dieser göttliche Engel hatte schon beim Alten Bund eine zentrale Rolle (Ex 23,20-23) und sie begehrten ihn im Hinblick auf den Neuen Bund, den Jeremia ankündigt hatte (Jer 31,31-34). Sie wussten (oder hätten es wissen müssen), dass der Messias selbst dieser Neue Bund sein wird (Jes 42,6; 49,8). Damit begehrten sie also niemand anderes als den Messias. Johannes der Täufer verstand die Verbindung vom Engel des Bundes zum Messias (Christus): "Ich bin nicht der Christus, sondern dass ich vor ihm hergesandt bin." (Joh 3,28b)
Alles erfüllte sich wörtlich: Gott wurde Mensch in Jesus von Nazareth. Als Er 40 Tage alt war (Vgl. Lk 2,22 mit Lev 12,3-4), kam Er "plötzlich" zu "seinem Tempel", nur haben Ihn dort lediglich Simeon und die Prophetin Anna erwartet. Er kam noch einige Male zum Tempel, aber die meisten litten an derselben geistlichen Blindheit wie die Generation Maleachis. Sie konnten nicht sehen, dass Jesus der Messias ist. Sie konnten nicht erkennen, dass Er der Engel des Bundes und der Gott des Gerichts ist. Er ist der Bürge des Neuen Bundes (Hebr 7,22; 12,24), Er ist der Mittler des Neuen Bundes (Hebr 8,6; 9,15), ja sein Blut war der Preis für den Neuen Bund (Mt 26,28; Mk 14,24; Lk 22,20; 1Kor 11,25; Hebr 13,20). Hätten sie doch besser Maleachis Worte im Herzen getragen: "Siehe, er kommt".
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[1] Im Hebräischen bedeutet "mal'ak" Bote wie auch Engel. Der Kontext bestimmt die Übersetzung, je nachdem, ob es sich um einen himmlischen oder um einen irdischen Boten handelt. Da der "Engel des Bundes" mit dem HERRN selbst identifiziert wird (3,1), ist "Engel des Bundes" die korrekte Übersetzung.
D.3 Der Engel des Bundes: Sein zweites Kommen | 3,2-6
2 Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bei seinem Erscheinen bestehen? Denn er wird wie das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher.
V 2 | Beim ersten Kommen Christi, dem Engel des Bundes, da kam Er als Erlöser und um den Neuen Bund zu stiften (Hebr 8,6). Als Gott des Gerichts kommt er aber erst in Seinem zweiten Kommen am Tag des HERRN, der sieben-jährigen Trübsalszeit. Das gottlose Volk spottete, wo der Gott des Gerichts sei (2,17), aber wehe denen, die diesen Tag des Gerichts herbeiwünschen (Am 5,18)! Wer kann diesen Tag "ertragen"? Wer kann "bestehen", wenn der Engel des Bundes erscheint? Petrus schrieb: "Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?" (1Pt 4,18)
"Das Feuer des Schmelzers" und "die Lauge der Wäscher" sind zwei Bilder über die reinigende Wirkung des göttlichen Gerichts. Matthias Germann schrieb dazu:
"Das Feuer läutert das Silber im Schmelzofen und reinigt es von der ganzen Schlacke, welche entfernt werden muss, um Reinheit zu erlangen. Das Feuer verbrennt, was nicht hingehört. Es entfernt Dinge, welche Gott nicht gefallen: Ihre kranken und blinden Opfergaben, ihre freche und arrogante Gesinnung, ihren Unglauben und ihren Ungehorsam."[1]
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[1] Matthias Germann, Predigtnotizen zu Maleachi Stage ONE, S. 11
A.2 Die Sünde | 1,2-4
3 Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber, so dass sie dem HERRN Opfergaben darbringen werden in Gerechtigkeit.
V 3 | "Und er wird sitzen" deutete an, dass der Engel des Bundes als Feuer (3,2; vgl. Mt 3,11-12; 1Kor 3,12-15) und als Lauge (3,2) nicht nur das Mittel des Gerichts, sondern das Gericht selbst ist. Er wird das Urteil aussprechen (Joh 5,22-27; Apg 10,42) und es auch ausführen (2Thess 1,7-9; Offb 19,11-16).
"das Silber schmelzen und reinigen" bezog sich auf den einen Drittel der Juden, der sich in der Trübsalszeit zum HERRN bekehren wird: "Und ich werde den dritten Teil ins Feuer bringen, und ich werde sie läutern, wie man das Silber läutert" (Sach 13,9a) Christus wird das ganze Volk, insbesondere aber auch die Priester ("die Kinder Levi") reinigen. Die Leviten werden im Tempel des Friedensreiches durch ihren Dienst wieder eine zentrale Rolle einnehmen (Vgl. Hes 40,46; 43,19; 44,10.15; 45,5; 48,11-13). Ihr Amt werden sie wieder in Würde und Gottesfurcht ausüben, "so dass sie dem HERRN Opfergaben darbringen werden in Gerechtigkeit."
4 Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein wie in den Tagen vor alters und wie in den Jahren der Vorzeit.
V 4 | In beidem wird der Messias Erfolg haben: Im Reinigen der Priester und des Volkes. Die Folge wird sein, dass die "Opfergabe" Israels "dem HERRN angenehm sein" wird, wie das bei König David (2Sam 24,24-25), bei König Salomo (1Kö 8,62-64; 2Chr 7,1-2) und bei den anderen gottesfürchtigen Königen "in den Tagen vor alters und wie in den Jahren der Vorzeit" der Fall gewesen war.
5 Und ich werde euch nahen zum Gericht und werde ein schneller Zeuge sein gegen die Magier und gegen die Ehebrecher und gegen die falsch Schwörenden und gegen die, die den Tagelöhner im Lohn, die Witwe und die Waise bedrücken und das Recht des Fremden beugen und mich nicht fürchten, spricht der HERR der Heerscharen.
V 5 | "Und ich werde euch nahen zum Gericht" unterstrich noch einmal, dass der richtende Engel des Bundes Gott selbst ist. Dieser wird neben dem Richter (3,3) und dem Vollstrecker (3,2) noch eine dritte Funktion im Gericht einnehmen, nämlich die eines "Zeugen". Gemäss mosaischem Gesetz ist der Zeuge zugleich der Ankläger (Vgl. Dt 19,15). Christus wird "ein schneller Zeuge sein", sprich Er wird unverzüglich in seiner dreifaltigen Gerichtsfunktion handeln, sobald jener Tag anbricht (Vgl. Zeph 1,14).
In den Versen zuvor (3,2a-4) lag der Schwerpunkt des kommenden Gerichts auf dem einen Drittel der Juden, der sich in der Trübsalszeit bekehren wird. Nun ging es um die anderen zwei Drittel der Juden, die aufgrund ihrer Gesetzlosigkeit ausgerottet werden (Sach 13,8a). Diese werden auf Grundlage des mosaischen Gesetzes gerichtet, da die Juden ohne den Messias Jesus nicht frei werden können von der Schuldschrift des mosaischen Gesetzes (Vgl. Kol 2,14.20).
Sünde |
Mosaisches Gesetz |
Bibelstelle |
"Magier" |
Verbot von Okkultismus; Gott allein ist Quelle der Wahrheit |
Ex 22,17; Lev 18,21; 19,26.31; Dt 18,10-12 |
"Ehebrecher" |
Bruch des Ehebundes |
Ex 20,14; Lev 20,19; Dt 5,18 |
"falsch Schwörenden" |
Unwahrheit und Missbrauch des Gottesnamens |
Ex 20,7; Lev 19,12 |
"die den Tagelöhner im Lohn bedrücken" |
Unrecht gegenüber Armen; Lohn muss rechtzeitig ausbezahlt werden |
Lev 19,13; Dt 24,14-15 |
"die Witwe und Waise bedrücken" |
Schutzgebot für die Schwächsten der Gesellschaft |
Ex 22,21-23; Dt 10,18; 24,17; 27,19 |
"die das Recht des Fremden beugen" |
Fremde sollen gerecht behandelt werden; Erinnerung an Israels eigene Fremdlingszeit |
Ex 22,20; 23,9; Lev 19,33-34; Dt 10,18-19; 27,19 |
"die mich nicht fürchten" |
Grundprinzip des ganzen Gesetzes: Gottesfrucht als Basis für Gehorsam |
Dt 6,13; 10,12 |
6 Denn ich, der HERR, ich verändere mich nicht; und ihr, Kinder Jakobs, ihr werdet nicht vernichtet werden.
V 6 | Der Mensch mag sich verändern und die Juden haben sich bis zur Zeit Maleachis stark verändert in ihrer schwindenden Gottesfurcht. Doch "ich, der HERR, verändere mich nicht" (Vgl. Jak 1,17). Er ist immer derselbe in seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit (Hebr 13,8), einschliesslich seiner Liebe zu Israel (1,2). Israel darf wissen, dass der Schöpfergott Seinem Wort treu bleibt und dafür sorgt, dass alle Seine Verheissungen sich buchstabengetreu erfüllen werden (Dt 4,31; Ps 89,35; 106,45; Röm 9,4.6). Alleine wegen diesen Verheissungen wird das Volk Israel "nicht vernichtet werden", wenn der Engel des Bundes kommt, um Gericht zu halten. "Wehe, denn groß ist jener Tag, ohnegleichen, und es ist eine Zeit der Drangsal für Jakob! Doch er wird aus ihr gerettet werden." (Jer 30,7)
C' Untreue im Geben | 3,7–12
Der Engel des Bundes, Jesus Christus, bildet das Zentrum des Buches Maleachi. Er ist der Wendepunkt von Vergangenheit und Zukunft und an Ihm spiegelte Maleachi die Themen seiner Botschaft. Neben der Untreue in der Ehe (Mischehen und unrechtmässige Scheidungen; 2,10-16), warf der HERR dem Volk eine weitere grosse Untreue vor: Raub des Zehnten und der Hebopfer (3,7-9; vgl. Neh 13,10-13). Dabei hätte Er so viel Segen zu geben gehabt, wenn sie doch nur Seinem Wort gehorsam gewesen wären (3,10-12).
C'.1 Die Sünde des Raubes | 3,7-9
7 Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Satzungen abgewichen und habt sie nicht bewahrt. Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren, spricht der HERR der Heerscharen. Und ihr sprecht: „Worin sollen wir umkehren?“
V 7 | Der Begriff "Satzungen" steht in der Bibel in den allermeisten Fällen für das mosaische Gesetz (Vgl. Lev 18,4-5; Dt 4,1-2; 6,1-2; Mal 3,22). Maleachi leitete das neue Thema also mit der Aussage ein, dass das Volk vom mosaischen Gesetz "abgewichen" und es "nicht bewahrt" haben. Das war wahrlich nichts Neues in der Geschichte Israels, sondern geschah bereits "seit den Tagen eurer Väter" (Vgl. 2Kö 17,15; Dan 9,5; Neh 9,26), die mit der Verehrung des goldenen Kalbes (Ex 32) gar bis zur Gesetzgebung am Sinai selbst zurückreichten.
Trotz ihrer anhaltenden Widerspenstigkeit bot der "HERR der Heerscharen" ein Gnadengeschenk an: "Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren". Dieses Gnadengeschenk hat eine bestimmte und unverrückbare Abfolge: Der HERR schafft durch Sein Wort die Möglichkeit, dass Israel sich zu Ihm kehren kann. Wenn Israel daraufhin umkehrt, dann wendet Er sich in Gnade dem umkehrenden Volk zu. Dieses Gnadenangebot in dieser Reihenfolge erhält der Mensch unabhängig des Zeitalters (Vgl. 2Chr 30,6; Sach 1,3; Mt 7,7-8; Jak 4,8).
Die einzig angemessene Reaktion des Volkes wäre gewesen, dem HERRN für Seine unendliche Güte und Barmherzigkeit zu danken und jeder Einzelne für sich zu überlegen, wo er nicht nach den Geboten Gottes lebte. Die Reaktion war aber eine weitere freche Frage: "Worin sollen wir umkehren?" Das Volk war sich wieder keiner Schuld bewusst und scheute sich überhaupt nicht davor, das auch offen dem HERRN zu sagen. Wieder erinnert uns das an die heutige Gemeinde, die oft denkt, sie hätte alles und bedarf keine Umkehr: "Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts" (Offb 3,17a).
8 Darf ein Mensch Gott berauben, dass ihr mich beraubt? Und ihr sprecht: „Worin haben wir dich beraubt?“ Im Zehnten und im Hebopfer.
V 8 | Trotz der hochmütigen Anmassung des Volkes, ging der HERR in seiner unermesslichen Geduld auf die freche Frage ein und stellte eine Gegenfrage: "Darf ein Mensch Gott berauben, dass ihr mich beraubt?" Damit hatte der HERR sicherlich die ganze Aufmerksamkeit des Volkes, denn Raub an Gott war bekanntermassen ein todeswürdiges Verbrechen (Jos 7). Wiederum aber war sich niemand irgendeiner Schuld bewusst, so dass der HERR Belege liefern sollte. Es ist die achte freche Frage des Volkes im Buch Maleachi: "Worin haben wir dich beraubt?" Der HERR brachte tatsächlich mit zwei Beispielen den Beleg ihres Raubes: "Im Zehnten und im Hebopfer". Zum "Zehnten" erklärte Arnold Fruchtenbaum folgendes:
"Indem sie den Zehnten nicht zahlten, verstießen sie gegen das mosaische Gesetz (Dt 14,22-29; 26,12-16). Das Wort "Zehnter" bedeutet zwar ein Zehntel, doch gab es nach dem mosaischen Gesetz drei spezifische Zehnte, die das jüdische Volk zu entrichten hatte: Erstens mussten sie jedes Jahr ein Zehntel der Erstlingsfrüchte an die Leviten abgeben (Num 18,21-24); zweitens mussten sie jedes Jahr während des Laubhüttenfestes den Zehnten zahlen (Dt 12,5-7.10-19; 14,22-26); und alle drei Jahre mussten sie ein Zehntel für die Unterstützung der Armen zahlen (Dt 14,28-29). Darüber hinaus sollte ein Zehntel dessen, was die Leviten vom Volk erhielten, an die Priester gehen (Num 18,25-28). Es sei darauf hingewiesen, dass der Zehnte nach dem Gesetz Moses nicht nur zehn Prozent des Gesamteinkommens ausmachte. Wenn man alles zusammenrechnet, waren es tatsächlich etwa dreiundzwanzig Prozent."[1]
Auch das "Hebopfer" war dazu da, die Priester mit Nahrung zu versorgen (Ex 29,27-28; Lev 7,34; 10,14-15; 4Mo 5,9). Dass sie beides nicht oder nur spärlich gebracht haben, war ein Mitgrund für den desolaten Zustand der Priester: "Und ich erfuhr, dass die Teile der Leviten nicht gegeben worden waren und dass die Leviten und die Sänger, die das Werk taten, geflohen waren, jeder auf sein Feld." (Neh 13,10)
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[1] Arnold Fruchtenbaum, The Book of Malachi, S. 21 (eigens übersetzt aus dem Englischen)
9 Mit dem Fluch seid ihr verflucht, und doch beraubt ihr mich, ihr, die ganze Nation!
V 9 | Obschon das Volk bereits unter dem Fluch des Gesetzes stand (2,2-3; 3,11; vgl. Dt 28,15.20), beraubte es den HERRN weiterhin. "Die ganze Nation" machte sich daran schuldig, auch wenn es selbst in jener Generation einen gläubigen Überrest gab (3,16; vgl. Röm 11,5), der sich nicht daran beteiligte.
C'.2 Verheissung bei Gehorsam | 3,10-12
10 Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Speise in meinem Haus sei; und prüft mich doch dadurch, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen bis zum Übermaß ausgießen werde.
V 10 | Der HERR wiederholte Sein Gebot: "Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus"! Sie hatten den Zehnten und die Hebopfer bislang vielleicht teilweise gebracht, aber sie sollen sich gänzlich an Sein Gebot halten, "damit Speise in meinem Haus sei". Das "Vorratshaus" war der Teil des Tempels, in dem die Zehnten aufbewahrt wurden (1Kö 7,51; 2Chr 31,10; Neh 10,38; 13,12) und das "Haus" bezeichnete den Tempel selbst, es ging also um die Versorgung des Tempels und der Tempeldienste. Im Gesetz Christi weist das Geben andere Formen und Merkmale auf als im mosaischen Gesetz[1], doch in Bezug auf die Versorgung des Hauses Gottes ist das Prinzip sehr ähnlich (Gal 6,6-7).
Der HERR forderte das Volk eindringlich auf: "prüft mich doch"! Sie sollen doch prüfen, ob der HERR sich zu ihnen kehrt, wenn sie sich zu ihm kehren (3,7). Sie sollen prüfen, ob der HERR zu Seinen Verheissungen steht. Sie müssten ganz einfach den ganzen Zehnten darbringen und schauen, "ob ich euch die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen bis zum Übermass ausgiessen werde", so wie im Gesetz verheissen (Dt 28,12; vgl. die Entsprechung im NT: Joh 10,10).
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[1] Siehe dazu die Predigtnotizen 2. Korintherbrief Stage TWO (Teil 2, S. 9-13).
11 Und ich werde um euretwillen den Fresser schelten, dass er euch die Frucht des Bodens nicht verderbe; und der Weinstock auf dem Feld wird euch nicht mehr fehltragen, spricht der HERR der Heerscharen.
V 11 | Der "Fresser" ist die Heuschrecke, die in Schwärmen ganze Jahresernten vernichten können (Joel 1,4; 2,25). Die Heuschrecke und der fehltragende "Weinstock" war Teil des Fluchs als Folge des Ungehorsams (Dt 28,38-39). Würde das Volk jedoch den Zehnten geben, würde der "HERR der Heerscharen", der Gott aller Schöpfung, den Heuschreckenschwärmen den Zutritt ins Land Israel verwehren und das Ackerland würde wieder Frucht tragen (Vgl. Hag 2,19; Sach 8,12). Dies alles würde um "euretwillen" geschehen, so dass das Volk in ihrer Untreue nicht nur Gott, sondern eigentlich auch sich selbst beraubte.
12 Und alle Nationen werden euch glücklich preisen, denn ihr werdet ein Land des Wohlgefallens sein, spricht der HERR der Heerscharen.
V 12 |Ist der Mensch von Gott gesegnet, kann er dadurch Segen für andere sein. Hätte Israel die Gebote Gottes gehalten, wäre es sogar für "alle Nationen" sichtbar gewesen, dass sie "ein Land des Wohlgefallens" sind. Was für ein Segen für die Nationen, die an Israel den wahren Gott hätten erkennen können (Vgl. Dt 4,6-8). Was für eine Gnade Gottes, dass Israel im Friedensreich schlussendlich ein Land des Wohlgefallens (Zeph 3,20) und ein Segen für alle Nationen sein wird (Jes 2,2-4; Mi 4,1-5; Röm 11,11-12), weil der Engel des Bundes, Jesus Christus, in ihrer Mitte herrschen wird (Hes 43,7).
B' Kritik am Volk | 3,13-15
Mit der totalen Verkommenheit des Volkes spiegelte Maleachi die totale Verkommenheit der Priester (1,6-2,9) und bildete mit den letzten beiden frechen Fragen gleichzeitig den Höhepunkt ihres Abfalls und ihrer Gottlosigkeit.
B'.1 Der Höhepunkt des Abfalls | 3,13-15
13 Eure Worte sind trotzig gegen mich gewesen, spricht der HERR. Und ihr sprecht: „Was haben wir miteinander gegen dich beredet?“
V 13 | Ein letztes Mal wandte sich "der HERR" dem abgefallenen Volk zu und offenbarte damit einmal mehr ihre abgrundtiefe Verachtung gegenüber dem Gott Israels. "trotzig" könnte man auch mit "hart" oder "anmassend" übersetzen. Das Volk begegnete der Liebe Gottes mit harten "Worten" und der Gnade Gottes mit anmassenden "Worten". Mit der neunten frechen Frage zeigte sich das Volk erneut ohne Schuldbewusstsein, ja sie taten sogar so, als ob sie gar nie etwas gegen den HERRN gesagt hatten: "Was haben wir miteinander gegen dich beredet?"
14 Ihr sprecht: „Vergeblich ist es, Gott zu dienen, und was für Gewinn, dass wir seinen Dienst versahen und dass wir vor dem HERRN der Heerscharen in Trauer umhergingen?
V 14 | Es grenzt an endloser Geduld, dass der HERR auch auf die Frage des vorigen Verses noch eingegangen ist. Alleine im vorliegenden Buch liessen sich etliche Fragen und Aussagen des Volkes als Beleg hervorbringen, doch der HERR kam nun endgültig zum bodenlosen Tiefpunkt des Abfalls. Es war die zehnte und letzte Frage, die alle bisherige Frechheit in sich vereinte.
"was für ein Gewinn, dass wir seinen Dienst versahen […]?" war der erste Teil jener letzten Frage. Sie empfanden den "Dienst" für den HERRN als Mühe (1,13) und schauten lediglich darauf, welchen Nutzen sie daraus schlagen würden (Vgl. Phil 2,21). Den Dienst nicht aus Liebe zu tun, ist wahrlich nutzlos (1Kor 13,1-3) und dem HERRN nicht zu dienen ist nichts anderes als gottlos (3,18).
Auch der zweite Teil der Frage hatte seinen Ursprung im Egoismus: "was für ein Gewinn, […] dass wir vor dem HERRN der Heerscharen in Trauer umhergingen"? Der Begriff "in Trauer umhergehen" bedeutete im AT sich vor Gott zu demütigen und Reue zu zeigen (Vgl. Ps 35,13-14; Jes 58,5; Joel 2,12-13). Auch darin sah das Volk keinen persönlichen "Gewinn".
Diese letzte Frage führte das Volk zur unheilbringenden Aussage: "Vergeblich ist es, Gott zu dienen". Das Wort "vergeblich" kann man auch mit "eitel", "falsch" oder "wertlos" übersetzen und wurde im AT auch für die Götzen verwendet (Ps 31,7; Jer 18,15; Jona 2,9). Mit anderen Worten: Dem Gott Israels zu dienen bringt genau so wenig wie toten Götzen zu dienen.
15 Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich: Nicht nur sind die Täter der Gottlosigkeit aufgebaut worden, sondern sie haben auch Gott versucht und sind entkommen.“
V 15 | In 3,12 kündigte der HERR an, dass einst alle Nationen Israel glücklich preisen werden auf Grund ihrer Gottesbeziehung. Was für ein Kontrast zur Generation Maleachis: "Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich". "Die Übermütigen" könnte man auch mit "Die Frechen" übersetzen. Beides verdeutlicht, dass sie sich eigentlich selbst glücklich priesen für ihres arrogante, stolze und freche Verhalten dem Gott Israels gegenüber. Sie hatten festgestellt, dass sie als "Täter der Gottlosigkeit" in der Welt viel weiterkommen. Auch wenn es gemäss mosaischem Gesetz verboten war Gott herauszufordern (Dt 6,16), haben sie mit diesem spöttischen Handeln "Gott versucht und sind entkommen." Weil das Gericht nicht unmittelbar vollzogen wurde, verharrten sie in ihrem gottlosen Tun (Vgl. Pred 8,11-12), das vollumfänglich dem entgegenstand, was der HERR eigentlich von ihnen forderte (Mi 6,6-8). Hierauf kam das Reden Gottes zum abgefallenen Israel zu einem Ende und Er schwieg, bis Er sich über 400 Jahre später durch Johannes der Täufer in einem Aufruf zur Umkehr wieder an sie richtete (Mt 3,2; Mk 1,4; Lk 3,3).
A' Gottes Liebe zum jüdischen Überrest | 3,16–24
Maleachi begann mit der Liebe Gottes zum Volk Israel, die sich durch die ganze Geschichte hindurch immer wieder zeigte und auch in Zukunft zeigen wird (1,2-5). Wer jedoch den HERRN verwarf, der verwarf auch seinen Anspruch an den Verheissungen. Paulus schrieb, dass nicht alle, die aus Israel sind, wirklich Israel sind (Röm 9,6) und dass die Verheissungen zwar allen Juden gehören (Röm 9,4), jedoch nur die jüdischen Kinder Gottes die Verheissungen wirklich in Anspruch nehmen können (Röm 9,8). Damit bildet dieser letzte Abschnitt des Buches Maleachi die logische Fortführung des ersten Abschnittes: Gottes Liebe für Israel ist nur für den gläubigen Juden erkenn- und erfahrbar.
A'.1 Der jüdische Überrest | 3,16-18
16 Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten, und der HERR merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten.
V 16 | "Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten" zeigt, dass es unter der grossen Masse der Spötter einen gläubigen Überrest gab. Ihre Ehrfurcht vor dem HERRN liess es dem Überrest nicht zu, sich bei dieser gottlosen Selbstüberhebung zu beteiligen und sonderte sich daher ab (Vgl. Ps 1,1). Sie sprachen "miteinander" über die grossen Taten Gottes und darüber, wie sie dem HERRN nach Seinen Geboten dienen können (siehe das Schlagwort "dienen" in 3,17-18).
Nach dem Gespött in 3,13-15, schwieg der HERR. Er hatte nichts mehr zu sagen und sich daher abgewandt. Aber als der Überrest in Gottesfurcht miteinander redete, heisst es "der HERR merkte auf und hörte". Der HERR mag schweigen, aber er schläft und schlummert nie (Ps 121,4). Es geht nicht an Gott vorbei, wenn Menschen zusammenkommen, um in Achtung über Sein Wesen und Sein unfehlbares Handeln zu sprechen. Im Gegenteil: Er merkte auf, Er hörte "und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben". Der jüdische Überrest, jeder Einzelne von ihnen, wurde in ein Gedenkbuch eingetragen, weil sie "den HERRN fürchten und seinen Namen achten". Dieses Gedenkbuch ist eines von vielen Büchern in der "himmlischen Bibliothek": Das Buch der Tränen (Ps 56,8); das Buch des Lebens (Ps 69,28; 139,16; Offb 13,8; 20,12.15; 21,27); Gottes Wort (Ps 119,89); das Buch des Hauses Israel (Hes 13,9); das Buch der Wahrheit (Dan 10,21); das Buch mit den sieben Siegeln (Off 5,1); das geöffnete Büchlein (Off 10,2); die Bücher der Werke der Menschen (Offb 20,12).
17 Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen Sohn verschont, der ihm dient.
V 17 | Das Volk Israel wurde am Sinai zum besonderen Eigentum Gottes berufen (Ex 19,5; später wiederholt in Dt 7,6; 14,2; 26,18; 35,4). Nun hiess es aber lediglich vom jüdischen Überrest "Und sie werden mir […] zum Eigentum sein", was erst zukünftig der Fall sein wird. Denn "an dem Tag, den ich machen werde" ist der Gerichtstag, den der HERR Jesus in der Trübsalszeit halten wird (3,19.21). Damit machte der HERR deutlich, dass Israel (einschliesslich des Überrests), für eine gewisse Zeit nicht mehr das besondere Eigentum Gottes sein wird. Dies würde die Gemeinde sein (Tit 2,14; 1Pt 2,9), wovon der jüdische Überrest im Zeitalter der Gemeinde (11,5) einen Leib mit den Nationen bildet (Eph 2,16; 3,6). Erst nach der Entrückung beginnt der jüdische Überrest wieder exklusiv das besondere "Eigentum" Gottes zu sein, beginnend mit der Bekehrung der 144'000 Versiegelten (Offb 7,4; 14,1).
Dieser jüdische Überrest wird der HERR in den kommenden Zorngerichten "verschonen, wie ein Mann seinen Sohn verschont, der ihm dient". In den Ordnungen Gottes dient ein Sohn seinem Vater (Ex 20,12; Dt 5,16; Eph 6,1-3; vgl. Phil 2,22). So sagte der HERR dem Pharao: "Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel; und ich sage zu dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient!" (Ex 4,22b-23a; so auch in Ex 7,16; 8,1.20; 9,1.13; 10,3.11.24) Jeder Gläubige macht seine Erlösung durch seinen Dienst für den HERRN sichtbar und so wird es auch beim jüdischen Überrest in der Trübsalszeit sein.
18 Und ihr werdet wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.
V 18 | Zur Zeit Maleachis war kein "Unterschied" zwischen dem "Gerechten und dem Gottlosen" zu erkennen, daher dachte das Volk auch, es würde nichts bringen, dem HERRN zu dienen (3,14). Es gab in der Geschichte Israels bereits Ereignisse, die diesen Unterschied sichtbar machten, wie z.B. das Gericht über die Rotte Korahs (Num 16,31-35) oder bei der kupfernen Schlange (Num 21,9). Christi Gerichtshandeln in der Trübsalszeit wird wieder ein solches Ereignis sein: "ihr werdet wieder sehen".
Es ist bemerkenswert, dass der "Gerechte" gleichgesetzt wurde mit "dem, der Gott dient" und der "Gottlose" mit "dem, der ihm nicht dient". Die ganze Bibel bezeugt, dass wahrer Glaube nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern sich in Werken bestätigt. Der HERR Jesus sagte in der Bergpredigt: "Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist." (Mt 7,21)
A'.2 Die Verheissung für den jüdischen Überrest | 3,19-21
19 Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und alle Übermütigen und alle Täter der Gottlosigkeit werden zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird.
V 19 | Das "Denn" leitete die Erklärung ein, wie der Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen zu sehen sein wird (3,18). "der Tag" des HERRN nämlich "kommt, brennend wie ein Ofen". Im ersten weltweiten Gericht, der Sintflut, benutzte der HERR Wasser (Gen 7,10). Dabei hatte Er versprochen, die Erde nicht mehr mit einer Sintflut zu richten (Gen 9,11.15), daher wird Er im zweiten weltweiten Gericht, der sieben-jährigen Trübsalszeit, überwiegend Feuer verwenden (u.a. Jes 66,15-16; Joel 2,3; 3,3; Zeph 1,18; Mt 3,12; 2Thess 1,8; Offb 8,7-8; 9,17-18; 11,5; 16,8; 18,8).
"alle Übermütigen und alle Täter der Gottlosigkeit", die zur Zeit Maleachis gepriesen wurden (3,15), werden im Hinblick auf dieses Gericht bildlich zu "Stoppeln" werden. "Stoppeln" sind dürrer, trockener und kurzer Halmabfall. Da dieser Halmabfall leicht entzündlich ist, wird der "kommende Tag" der übermütige und gottlose Teil der Menschheit "verbrennen". Der Begriff "weder Wurzel noch Zweig" ist ein Bild auf den hoffnungslosen Untergang (Vgl. 2Kö 19,30; Jes 5,24; 37,31; Amos 2,9).
20 Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Und ihr werdet ausziehen und hüpfen wie Mastkälber;
V 20 | Der vorangegangene Vers zeigte, was am Tag des HERRN mit dem Gottlosen geschieht. Nun folgte der markante Unterschied zum Gerechten an jenem Tag. "Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet" zeigt, dass es sich beim Überrest nicht um sündlose Menschen handelt. Der Unterschied liegt einzig und allein im Glauben und der daraus resultierenden Ehrfurcht vor dem Gott Israels.
Während die Gottlosen in den kommenden Zorngerichten hoffnungslos untergehen werden, wird für den jüdischen Überrest "die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen". Die "Sonne der Gerechtigkeit" ist niemand anderes als Jesus Christus, der bei Seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit erscheinen wird[1]: "Steh auf, leuchte; denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen! Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." (Jes 60,1-2)
So wie Jesus Christus, der Engel des Bundes, das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten auf Adlers Flügeln getragen hat (Ex 19,4), so wird Er unter jenen "Flügeln" "Heilung" für den jüdischen Überrest bringen: "Siehe, ich will ihr einen Verband anlegen und Heilung bringen und sie heilen, und ich will ihnen eine Fülle von Frieden und Wahrheit offenbaren." (Jer 33,6; vgl. Jes 30,26; Hos 6,1)
"Und ihr werdet ausziehen und hüpfen wie Mastkälber" beschreibt die Reaktion des jüdischen Überrests bei der Erscheinung des Messias Jesus. David Pawson schrieb zu diesem Bild folgendes:
"In meinem früheren Leben stand ich morgens um vier Uhr auf, um 90 Kühe auf einem Bauernhof in Northumberland zu melken. Im Winter blieb das Vieh im Stall. Monatelang fütterten wir es mit Silage und Heu. Doch dann kam der Tag, an dem wir es das erste Mal im Frühling wieder nach draussen liessen. Jeder, der sich nur ein wenig mit dem Landleben auskennt, weiss, was als Nächstes passierte: Selbst die älteste Kuh sprang herum wie ein Kalb. Auch die betagtesten und schwerfälligsten Rindviecher tollten über die Wiese. So wird es für das Volk Gottes auch sein, erklärte Maleachi. Die Menschen werden an diesem Tag Freudensprünge machen, wenn Gott Seinem Volk die vollständige Erlösung bringt."[2]
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[1] An anderen Stellen wird der HERR Jesus auch als der Morgenstern bezeichnet (2Pt 2,19; Offb 2,28; 22,16). Der Morgenstern ist vor dem Sonnenaufgang zu sehen und somit bezieht sich der Morgenstern auf die Entrückung, die vor Anbruch des Tages des HERRN geschehen wird. Die Sonne der Gerechtigkeit wiederum geht am Tag des HERRN auf und bezieht sich folglich auf das zweite Kommen des HERRN Jesus in Macht und Herrlichkeit.
[2] David Pawson, Schlüssel zum Alten Testament, S. 948-949
21 und ihr werdet die Gottlosen zertreten, denn sie werden Asche sein unter euren Fußsohlen an dem Tag, den ich machen werde, spricht der HERR der Heerscharen.
V 21 | Der HERR unterstrich noch einmal, dass dies alles am Tag des HERRN geschehen wird: "an dem Tag, den ich machen werde". Durch Sein feuriges Gerichtshandeln werden die Gottlosen zu "Asche", die die Gerechten (der Überrest) "unter ihren Fußsohlen" "zertreten". Könnte es einen grösseren, sichtbaren Unterschied zwischen den Gerechten und den Gottlosen geben?
A'.3 Gedenkt des Gesetzes und erwartet den Propheten! | 3,22-24
22 Gedenkt des Gesetzes Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf dem Horeb an ganz Israel geboten habe – Satzungen und Rechte.
V 22 | Maleachi schloss das Buch mit der zweifachen Zielsetzung seiner ganzen Botschaft ab. Erstens: "Gedenkt des Gesetzes Moses". Das Gesetz Moses umfasst 613 Gebote ("Satzungen und Rechte"). Das Wort "Gedenkt" bedeutet im Hebräischen einerseits sich zu erinnern, andererseits aber auch sich zu orientieren. Beides traf in diesem Fall zu: Die Botschaft Maleachis war ein grosser Aufruf, sich an das mosaische Gesetz zu erinnern und sich wieder daran zu orientieren. Sei es den Priesterdienst betreffend (1,6-2,9), sei es Mischehen und Scheidungen betreffend (2,10-16), sei es den Zehnten und Hebopfer betreffend (3,7-12) oder sei es betreffend den HERRN herauszufordern (3,13-15), alles bewegte sich im Rahmen des mosaischen Gesetzes.
"Horeb" ist eine andere Bezeichnung für den Berg Sinai (Vgl. Ex 3,1; 17,6; Dt 1,6; 4,10). Der HERR gab Mose dieses Gesetz auf dem Berg Sinai und durch ihn "an ganz Israel". Das mosaische Gesetz bekam ab jenem Moment seine Gültigkeit nur für die Nation Israel, nicht darüber hinaus. Die Nationen standen selbst im Zeitalter des Gesetzes nicht unter dem mosaischen Gesetz und in Christus kam es auch für den gläubigen Juden zu einem Ende (Röm 10,4; Gal 3,19).
23 Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare.
V 23 | Die zweite Zielsetzung der Botschaft Maleachis war: "Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten". Er hatte bereits auf den Vorläufer und Wegbereiter hingewiesen, wenn der Engel des Bundes das erste Mal kommen wird (3,1). Dessen Name wurde nicht erwähnt, jedoch nannte er den Namen des Vorläufers, der den Weg beim zweiten Kommen bereiten wird: "Elia, den Propheten". Elia war dem Volk Israel sehr bekannt (1Kö 17-2Kö 2), er gilt im AT weithin als der wichtigste Prophet, ja gar als die Verkörperung der Prophetie schlechthin (Vgl. Mt 17,3; Mk 9,4; Lk 9,30).
Mit dem "Siehe" forderte der HERR das ganze Volk Israel dazu auf den Propheten Elia zu erwarten[1] und Er kündigte auch an, wann dieser kommen würde: "ehe der Tag des HERRN kommt, der grosse und furchtbare". Elias Dienst wird also vor den schrecklichen Zorngerichten in der Trübsalszeit beginnen und darauf sollen die Juden bis heute ihre Augen offenhalten.
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[1] Diese Erwartungshaltung auf den kommenden Elia, zeigte sich zur Jesu: Mt 16,14; Mk 6,15; 8,28; Lk 9,8.19; Joh 1,21.
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
V 24 | Der zukünftige Dienst Elias ist der Grund, warum die Juden ihn erwarten sollen: "Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden". Arnold Fruchtenbaum erklärte diesen Dienst folgendermassen:
"Der Hauptzweck von Elias' Kommen ist die Wiederherstellung der jüdischen Familie, die für ihre Verbundenheit und Zusammengehörigkeit bekannt ist. Das Einzige, was die Struktur der jüdischen Familie gespalten hat, war die Frage der Messianität Jesu. So eng die jüdische Familie auch sein mag, wenn ein Mitglied an Jesus glaubt, kommt es sofort zu einer Spaltung innerhalb dieser jüdischen Familie. Als der Messias zum ersten Mal kam, wies er darauf hin, dass er zu einem Punkt der Spaltung in der jüdischen Welt und der jüdischen Familie werden würde (Mt 10,34-37). Einige würden glauben, andere nicht, und dies würde dazu führen, dass Vater gegen Sohn, Sohn gegen Vater, Tochter gegen Mutter usw. stehen würden. Bis heute ist die Frage der Messianität Jesu ein Punkt der Spaltung in der jüdischen Familie. Der Zweck der Wiederkehr des Propheten Elia besteht also darin, die Familie wiederherzustellen, damit Jesus nicht länger ein Punkt der Spaltung innerhalb der jüdischen Familie ist. Dies wird schließlich zur nationalen Erlösung Israels führen.[1]
Während der Dienst der 144'000 versiegelten Juden eine globale Spannweite aufweisen wird (Vgl. Offb 7,9), wird der Dienst Elias einen wesentlichen Beitrag zur nationalen Bekehrung Israels leisten und damit jene Bedingung erfüllen, die die Wiederkunft des HERRN Jesus voraussetzt (Mt 23,39). Daher braucht es diesen Dienst Elias, "damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage". Mit dem "Bann" Gottes (vgl. Jos 6,17-18) würde Israel so zerstört werden, wie das bei Edom geschah und bleiben wird (1,3-4). Doch die Liebe des HERRN zum jüdischen Überrest sorgt mit allen Mitteln dafür, dass sie Seinen Namen anrufen werden und Er wird sich über die Massen an ihnen erfreuen:
"Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held. Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel." (Zeph 3,17)
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[1] Arnold Fruchtenbaum, The Book of Malachi, S. 29 (eigens übersetzt aus dem Englischen)
Exkurs III: War nicht Johannes der Täufer der angekündigte Elia?
Obschon Maleachi deutlich zwischen dem Wegbereiter des ersten Kommens Christi (3,1) und dem Wegbereiter des zweiten Kommens Christi (3,23-24) unterschied, behaupten einige, dass Johannes der Täufer auch der angekündigte Elia war. Es sind fürwahr einige Bibelstellen, die diesbezüglich Verwirrung gestiftet haben (Mt 11,14; 17,12; Lk 1,17). Erstens muss festgehalten werden, dass Johannes der Täufer zwar bestätigte der ungenannte Bote aus Mal 3,1 zu sein (Mk 1,2), nicht aber der angekündigte Elia aus Mal 3,23-24 (Joh 1,21). Zweitens gab Jesus einen entscheidenden Hinweis: "Er aber sprach zu ihnen: Elia zwar kommt zuerst und stellt alle Dinge wieder her; doch wie steht über den Sohn des Menschen geschrieben, dass er vieles leiden und für nichts geachtet werden soll? Aber ich sage euch, dass Elia auch gekommen ist, und sie haben ihm getan, was irgend sie wollten, so wie über ihn geschrieben steht." (Mk 9,12-13) Mit anderen Worten: Hätte Johannes der Täufer den Dienst Elias erfüllt und die Juden hätten den Messias angenommen, wären die Prophezeiungen über die Leiden Jesu unerfüllt geblieben. Damit hatte Johannes der Täufer als Wegbereiter zwar derselbe Dienst wie der kommende Elia und kam auch im Geist und in der Kraft des Elia (Lk 1,17), erfüllte aber lediglich die prophetischen Leiden des Elia: "und sie haben ihm getan, was irgend sie wollten, so wie über ihn geschrieben steht" (Vgl. 1Kö 18,3; 19,2-3). Folglich muss Elia erst noch kommen, um das Werk der Wiederherstellung vor und während der Trübsalszeit zu vollbringen. Und wenn er schon mal wiedergekommen ist (Mt 17,3; Mk 9,4; Lk 9,30), warum sollte er das nicht ein zweites Mal können?
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