Maleachi Kapitel 1

Autor: Michael Briggeler
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A Gottes Liebe zu Israel | 1,1-5

Das Buch beginnt mit einer kurzen und knappen Angabe zum Absender, den Empfängern und des Boten des Buches (1,1). Von dort taucht der Leser direkt in das erste Thema der Botschaft Maleachis ein, nämlich Gottes unermessliche Liebe zu Israel (1,2-5). Die Art und Weise, wie dem Leser dieses Thema vorgestellt wird, nennt man heute die sokratische Methode[1]. Diese beginnt der Redner üblicherweise mit einer Aussage oder einer Feststellung (1,2a), worauf der Dialogpartner mit einem Einspruch (meist in Form einer Gegenfrage) reagiert (1,2b). Daraufhin erklärt der Redner seine Aussage tiefergehend (1,2c-5) und so geht das hin und her, bis der Dialogpartner kein Einspruch mehr vorbringt. Die meisten Abschnitte des Buches Maleachi weisen diese sokratische Methode auf, jedoch von Israel alles andere als in einer gottesfürchtigen Art und Weise. Macht der HERR eine Aussage, sollte sich der Mensch davor hüten einen Einspruch zu erheben (Hi 40,2; Jes 45,9; Röm 9,20-21).

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[1] Der griechische Philosoph Sokrates (469 v.Chr. – 399 v.Chr.) war ein Zeitgenosse Maleachis.

A.1 Absender, Empfänger und Bote | 1,1

1 Ausspruch des Wortes des HERRN an Israel durch Maleachi.

V 1 | "HERR" (hebr. Jahwe) ist der Name Gottes, der ihn als den Bundesgott beschreibt. Der Schöpfer von Himmel und Erde tritt mittels Bündnisse mit dem Menschen in Verbindung, wovon einige im Buch Maleachi zu finden sind: Der Bund mit Levi (2,4), der Bund vom Sinai (2,10; vgl. 3,22) und beim Ehebund tritt Er jeweils als Zeuge auf (2,14). Ja mehr noch, wir lesen sogar von demjenigen, der die Bündnisse Gottes ausführt und für sie einsteht, nämlich der Engel des Bundes (3,1).

Maleachi machte von Beginn weg deutlich, dass es nicht seine Worte sind, die er aufschrieb, sondern die "Worte des HERRN". Der HERR war der Absender dieser Worte, die als ein "Ausspruch" bezeichnet wurden. Dieses Wort kann auch mit "Prophezeiung", "Botschaft", "Tragelast", oder ganz einfach "Last" übersetzt werden. In letzterem Fall hat es in Bezug auf Gottes Wort meist mit einer Gerichtsankündigung zu tun (u.a. Jes 13,1; Hes 12,10; Nah 1,1; Hab 1,1; Sach 9,1; 12,1), so wie das auch bei Maleachi der Fall war. Aber selbst in Gerichtsworten gilt die zeitlose Wahrheit, dass der Mensch von jedem Wort lebt, das aus dem Mund des HERRN hervorgeht (Dt 8,3; Mt 4,4).

Die Worte des HERRN hatten einen spezifischen Empfänger, nämlich das Volk "Israel". Für den Gläubigen der Gemeinde ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, um in den Anwendungen nicht auf falsche Schlüsse zu kommen. Mit Israel war weder das Nordreich noch ganz Israel gemeint, sondern der kleine Teil, der aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt ist. Dies ist daran ersichtlich, dass Maleachi die Begriffe "Israel" (1,1.5; 2,11.16; 3,22), "Juda" (2,11; 3,4) und "Jakob" (1,3; 2,12; 3,6) austauschbar verwendete, so wie bereits bei Haggai der zurückgekehrte Überrest als Nation Israel bezeichnet wurde (Hag 2,14).

Die Worte des HERRN wurden "durch Maleachi", oder wörtlicher übersetzt "durch die Hand Maleachis", dem Volk vermittelt. Er war ein Bote des HERRN und als solcher liess er sich als Werkzeug der Gerechtigkeit gebrauchen (Röm 6,13). Ein Vorbild für uns! 

A.2 Die Aussage | 1,2a

2a Ich habe euch geliebt, spricht der HERR;

V 2a | Die erste Aussage Gottes: "Ich habe euch geliebt". Der "HERR" begann nicht mit Vorwürfen oder Gericht, sondern mit Seiner unverdienten Liebe für das Volk Israel. Das AT zeugt vielfältig von der Liebe Gottes zu Israel in der Vergangenheit, aber auch in der Zukunft (u.a. Dt 4,37; 7,7-8; 10,15; 23,6; Hld 1-8; Jes 43,4; 63,9; Jer 2,2-3; 31,1; Hos 11,4; 14,5; Zeph 3,17).

A.3 Der Einspruch | 1,2b

2b aber ihr sprecht: „Worin hast du uns geliebt?“

V 2b | Das Volk konnte die Aussage Gottes nicht nachvollziehen und erhob Einspruch mit einer Gegenfrage: "Worin hast du uns geliebt?". Was für eine erschütternde Frage! Es gibt wenig, das so verletzt wie das Infragestellen von gezeigter Liebe. Obschon der HERR in Seinem Wesen durch und durch Liebe ist (1Joh 4,8.16) und Er in der Vergangenheit unzählige Male Seine Liebe zu Israel unter Beweis gestellt hatte, konnte das Volk keine Liebe von Ihm sehen. Ihr geistlicher Blick war dermassen getrübt, dass sie in Bezug auf den HERRN völlig beziehungsuntauglich wurden. Diese Beziehungsuntauglichkeit war die Ausgangslage von all den Missständen, die der HERR in diesem Buch anprangerte.

Die Geschichte der Gemeinde verlief leider ähnlich. Schon die frühe Gemeinde verliess die erste Liebe (Offb 2,4) und markierte damit den Beginn des Abfalls, der bis zum heutigen Zustand der völligen Blindheit führte: "Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts – und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist –," (Offb 3,17).

A.4 Die Antwort | 1,2c-5

2c War nicht Esau der Bruder Jakobs?, spricht der HERR. Und ich habe Jakob geliebt, 3 Esau aber habe ich gehasst,

V 2c - 3a | Diese freche Frage hätte nichts anderes als das unmittelbare Gericht verdient gehabt. Aber gerade in Gottes geduldigen Antworten, offenbarte der HERR Seine unermessliche Liebe in einer Geduld, die ihresgleichen sucht.

"War nicht Esau der Bruder Jakobs?, spricht der HERR." Von all den möglichen Beispielen wollte der HERR Seine Liebe zu Israel anhand von Esau und Jakob aufzeigen. Sie waren Brüder, ja sogar Zwillingsbrüder (Gen 25,24).

"Und ich habe Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst". Diese Aussage wurde schon unzählige Male dazu missbraucht, um zu untermauern, dass Gott den Menschen bedingungslos zum Heil oder zur Verdammnis auserwählt. Eine gesamtbiblische und damit gesunde Schriftauslegung verschafft auch hier Klarheit.

Erstens gilt es, die Begriffe "geliebt" und "gehasst" richtig zu verstehen. Arnold Fruchtenbaum erklärte:

"Die Begriffe „Liebe“ und „Hass“, die hier verwendet werden, sind nicht im emotionalen Sinne zu verstehen, dass Gott eine leidenschaftliche Liebe für Jakob empfand oder eine leidenschaftliche Feindseligkeit gegenüber Esau. Vielmehr bedeuteten diese Begriffe oft einfach „auswählen“ oder „nicht auswählen“. In diesem Sinne handelt es sich um eine Rangfolge von Präferenzen, eine Festlegung von Prioritäten. Gott wählte Jakob, um den Bund mit Abraham zu erfüllen, daher liebte Er Jakob in diesem Sinne. Er wählte Esau nicht, daher hasste Er Esau in diesem Sinne. Weitere Beispiele für diese „Liebe-Hass“-Art der Wahl oder Nichtwahl finden sich in Gen 29,30-33 und Dt 21,15-17. In diesem Sinne muss eine Aussage von Jesus verstanden werden: Jesus lehrte, dass jemand, der nicht seine Mutter und seinen Vater, seine Frau und seine Kinder, seine Brüder und Schwestern und andere „hasst”, kein Jünger sein kann (Mt 10,37; Lk 14,26). Denken wir daran, dass Jesus als Jude zu jüdischen Menschen sprach. Er meinte damit nicht, dass man einen leidenschaftlichen Hass auf seine Familie entwickeln sollte, um ein Jünger zu sein. Er befasste sich überhaupt nicht mit Hass im emotionalen Sinne. Auch hier bedeutete Lieben oder Hassen im jüdischen Bezugsrahmen häufig „sich entscheiden“ oder „sich nicht entscheiden“. Der Punkt ist, dass, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, Jesus den Vorrang bekommen sollte, nicht die Familie."[1]

Mit dem richtigen Verständnis von "geliebt" und "gehasst" wird zweitens deutlich, dass der HERR nicht über das Heil Jakobs bzw. die Verdammnis Esaus sprach, sondern über ihre Rangfolge in ihrer Stellung auf der Erde. Auf diese Weise legte Paulus den vorliegenden Vers auch aus:

"Nicht allein aber das, sondern auch als Rebekka schwanger war von einem, von Isaak, unserem Vater,

11 selbst als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten (damit der Vorsatz Gottes nach Auswahl bleibe, 12 nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden), wurde zu ihr gesagt: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“; 13 wie geschrieben steht: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“" (Röm 9,10-13).

"Der Grössere wird dem Kleineren dienen" ist ein Zitat aus Gen 25,23 und war eine Prophetie über die Stellung der Zwillingsbrüder. Es ging offensichtlich nicht um eine Prophetie über Heil und Verdammnis, sondern darüber, wer von beiden dazu erwählt wurde, die Verheissungslinie weiterzuführen. Paulus zitierte mit Mal 1,2-3 eine zweite Stelle aus dem AT, um dies zu untermauern. Indem er schrieb "wie geschrieben steht", machte er deutlich, dass das zweite Zitat inhaltlich dem ersten Zitat entspricht. Folglich ging es bei Maleachi ebenfalls darum, dass Jakob mit der Verheissungslinie den Vorzug erhielt und Esau diesbezüglich zurückgestellt wurde. Wohlgemerkt: Diese Erwählung hatte nichts mit "Werken" zu tun, sondern nur mit dem "Berufenden". Schliesslich wurde die Prophetie gegeben, bevor die Zwillinge "weder Gutes noch Böses getan hatten". Gerade darauf wollte der HERR hinweisen, nämlich Seine besondere Liebe zu Jakob, die sich in Seiner Auserwählung der abrahamitischen Verheissungslinie gezeigt hatte.

Drittens muss beachtet werden, dass mit "Jakob" und "Esau" nicht nur die Einzelpersonen gemeint waren, sondern der HERR die Völker miteinschloss, die von ihnen abstammten: Israel und Edom. Dies ist bereits aus der Prophetie an Rebekka ersichtlich: "Zwei Nationen sind in deinem Leib, und zwei Völkerschaften werden sich scheiden aus deinem Innern; und eine Völkerschaft wird stärker sein als die andere Völkerschaft, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen." (Gen 25,23). Die Prophetie ging über das Leben Jakobs und Esaus hinaus und fand ihre Fortführung in den jeweiligen Nachkommen. Würde es also ums Heil gehen, wäre die Aussage Gottes, dass das ganze Volk Israel zum Heil und das ganze Volk Edom zur Verdammnis erwählt wurden, aber dem widersprach Paulus vehement: "denn nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel," (Röm 9,6b). Mit anderen Worten: Nicht alle Juden sind gerettet, genau so wenig wie alle Edomiter verloren sind. Noch einmal: In Maleachi sprach der HERR über Seine besondere Liebe zu Jakob, die sich in der Auserwählung Jakobs für eine besondere Stellung zeigte. Die nachfolgenden Verse werden zeigen, wie unverdient diese Liebe zu Israel war.

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[1] Arnold Fruchtenbaum, The Book of Malachi, S. 8 (eigens übersetzt aus dem Englischen)

3b und ich habe seine Berge zur Wüste gemacht und sein Erbteil für die Schakale der Steppe.

V 3b | Obwohl Esau gläubige Eltern hatte und nicht weniger über Gott hörte als sein Bruder Jakob, hat er seine von Gott gegebene Stellung nicht akzeptiert. Er hatte die freie Wahl sich unter Gottes Ordnung zu stellen, aber er entschied sich dafür, ein Ungöttlicher zu sein (Hebr 12,16). Diese gezielte Rebellion gegen Gottes Ordnung hat sich in der Feindschaft Edoms gegen Israel durch alle Generationen nach Esau immer wieder gezeigt[1]. Ein erstes Gericht hatte der HERR bereits vollzogen: "Ich habe seine Berge zur Wüste gemacht und sein Erbteil für die Schakale der Steppe." Gott hatte das Gebiet Edom mit dem Gebirge Seir eigentlich als "Erbteil" für Esau und seinen Nachkommen gegeben (Dt 2,5; Jos 24,4). Ihr Ungehorsam führte jedoch zum Verlust dieses Erbteils, als der babylonische König Nabonid Edom in seinem Feldzug gegen das Ostjordanland und Nordarabien im Jahre 552 v.Chr. verwüstete. Damit war das edomitische Königtum beendet und die Edomiter flüchteten in den Süden Judas, so dass die "Schakale der Steppe" das Gebiet Edoms besiedelten. In der Bibel sind die "Schakale" ein Bild der Klage (Mi 1,8), der Verlassenheit (Hi 30,29), der Zerstörung (Jes 13,22; 34,13; 35,7) und der Kulturlosigkeit (Jes 43,20; Jer 51,37).

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[1] Siehe dazu die Übersicht zu Obadja Stage ONE: "Ereignisse Israel - Edom_©_Michael_Briggeler.pdf"

4 Wenn Edom spricht: Wir sind zerschmettert, werden aber die Trümmer wieder aufbauen, so spricht der HERR der Heerscharen: Sie werden bauen, ich aber werde niederreißen; und man wird sie nennen „Gebiet der Gottlosigkeit“ und „das Volk, dem der HERR in Ewigkeit zürnt“.

V 4 | Seit der Verwüstung durch König Nabonid, war und blieb Edom "zerschmettert". Sie wollten die "Trümmer" immer "wieder aufbauen", doch der "HERR der Heerscharen" hatte angekündigt: "ich aber werde niederreissen". Dies hat sich bis heute bewahrheitet: Als der edomitische Überrest Edom wieder aufbauen wollte, wurden sie um 300 v.Chr. von den Nabatäern ebenfalls in den Süden Judas vertrieben. Eine Rückkehr gelang nicht, da der Hohepriester und Hasmonäerfürst Johannes Hyrkanos I. (134 v.Chr. – 104 v.Chr.) die Edomiter (nun Idumäer genannt) durch die Zwangsbeschneidung und dem mosaischen Gesetz in das jüdische Volk eingliederte.

Die Geschichte der Edomiter ist kein Zufall, sondern gezeichnet durch das gerechte Gerichtshandeln Gottes über ein "Gebiet der Gottlosigkeit". Die Edomiter hätten als Brudervolk Israels (Vgl. Dt 2,4-5; Num 20,14; Ob 10) gesegnet in Gottes Ordnung wandeln können, aber nun ist es ein "Volk, dem der HERR in Ewigkeit zürnt". Kein Edomiter wird ins 1000-jährige Friedensreich eingehen (Ob 18) und das Gebiet Edoms wird während dem Friedensreich von brennendem Pech bedeckt und ein Wohngebiet der Dämonen sein (Jes 34,5-17; Hes 35).

Wo zeigt sich darin die besondere Liebe Gottes für Israel? Nun, das Volk Israel wandelte ebenfalls nicht in der Ordnung Gottes und Israel wurde ebenso von den Babyloniern zerstört und verschleppt. Doch der HERR führte sie aus Liebe und Treue mit übernatürlichen Wundern (Vgl. Jes 48,21) zurück in ihr Land. Gottes Bund und der Heilige Geist war im Wiederaufbau mit ihnen (Hag 2,5), obschon sie dasselbe ewige Gericht verdient gehabt hätten wie ihr Brudervolk. Allein in diesem Kontrast zu Edom, obschon er doch ein Bruder ist (1,2), sollte Israel die besondere Liebe Gottes sehen.

5 Und eure Augen werden es sehen, und ihr werdet sprechen: Groß ist der HERR über das Gebiet Israels hinaus!

V 5 | Damals sah Israel diese Liebe Gottes vielleicht nicht, aber im 1000-jährigen Reich werden ihre "Augen" es sehen. Gerade das ewige Gericht über Edom (1,4) wird sie dazu bewegen, den HERRN zu preisen: "Groß ist der HERR über das Gebiet Israels hinaus!". Sie werden erkennen, dass der HERR diejenigen segnet, die Israel segnen und diejenigen verflucht, die Israel verfluchen (Gen 12,3). Gottes Allmacht geht augenscheinlich "über das Gebiet Israels hinaus".

Dem nicht-jüdischen Gläubigen gilt diese besondere Liebe für Israel nicht. An was soll er sich erinnern, wenn er die vorliegenden Verse liest? Der Christusgläubige darf sich sogar einer noch grösseren Liebe bewusst sein: "Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist." (Röm 5,8; vgl. Joh 3,16) Die Menschwerdung Gottes und Sein stellvertretender Tod für jeden glaubenden Sünder, ist und bleibt die grösste Liebestat der Heilsgeschichte in Ewigkeit.

B Kritik an den Priestern | 1,6 – 2,9

Trotz der grossen Liebe, die der HERR immer wieder unter Beweis gestellt hatte, konnte das Volk diese Liebe nicht sehen (1,2b). Woher diese geistliche Blindheit kam, legte Maleachi in den nachfolgenden Abschnitten dar. Der HERR richtete sich als erstes an die Priester und verurteilte ihren Dienst (1,6-14) sowie ihre Verkündigung (2,1-9). Der erste Teil über den Dienst der Priester weist eine deutlich wiederholende Struktur auf, so dass folgendes Zentrum des ersten Teils hervorleuchtet:

 

B1 Gott wird als Vater und Herr nicht gefürchtet (1,6)
            B2 Die Priester opfern verunreinigte Gaben (1,7-8)
                        B3 Der HERR akzeptiert solche Opfer nicht (1,9)
                                    B4 Schliesst den Tempel! (1,10a)
                        B3' Der HERR akzeptiert solche Opfer nicht (1,10b-11)
            B2' Die Priester opfern verunreinigte Gaben (1,12-13a)
B1' Gott wird als König und Herr nicht gefürchtet (1,13b-14)

 

Der zweite Teil beginnt mit dem Gericht über die Priester (2,1-3), ihr eigentlicher Auftrag als Verkündiger (2,4-7) und ihr Versagen darin (2,8-9). Die Priesterschaft war zur Zeit Maleachis völlig von Gottes Wegen abgekommen, wie folgende Aussage Nehemias bekräftigte: "Und einer von den Söhnen Jojadas, des Sohnes Eljaschibs, des Hohenpriesters, war ein Schwiegersohn Sanballats, des Horoniters; und ich jagte ihn von mir weg. Gedenke es ihnen, mein Gott, wegen der Verunreinigungen des Priestertums und des Bundes des Priestertums und der Leviten!" (Neh 13,28-29)

B.1 Gott wird als Vater und Herr nicht gefürchtet | 1,6

6 Ein Sohn soll den Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn. Wenn ich denn Vater bin, wo ist meine Ehre? Und wenn ich Herr bin, wo ist meine Furcht?, spricht der HERR der Heerscharen zu euch, ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet und doch sprecht: „Womit haben wir deinen Namen verachtet?“,

V 6 | "spricht der HERR der Heerscharen zu euch, ihr Priester" zeigte an, dass sich der HERR zuerst an die Priester wandte. Ursprünglich war das ganze Volk Israel zum Priesterdienst vorgesehen gewesen, so hiess es am Berg Sinai: "und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein." (Ex 19,6a). Durch die Sünde des Volkes mit dem goldenen Kalb (Ex 32), verloren sie diese Berufung. Nur der Stamm Levi behielt die Priesterberufung (Ex 28,1; Lev 8-9; Num 3,5-13; Dt 10,8), da er sich nicht an diesem Götzendienst beteiligte (Ex 32,25-29). Streng genommen waren nur die Söhne Aarons Priester und die restlichen Leviten hatten lediglich unterstützende, priesterliche Dienste. Maleachi machte in seinem Buch jedoch keinen deutlichen Unterschied zwischen Priestern (1,6; 2,1) und Leviten (2,4-5.8; 3,3). Da alle Christusgläubigen zum Priestertum berufen sind (1Pt 2,5; Offb 1,6), ist in diesem ersten Teil des Abschnittes (1,6-14) der Gläubige der Gemeinde ebenfalls angesprochen.

"Ein Sohn soll den Vater ehren" hiess es in den 10 Geboten (Ex 20,12; Dt 5,16). Und dass ein "Knecht seinen Herrn" ehren soll, war dem Volk ebenfalls bekannt (Ps 123,2; Spr 19,10). Wenn aber der HERR der "Vater" Israels ist (Vgl. Dt 32,6; Jes 63;16; 64,7; Jer 3,4.19; 31,9; Mal 2,10), warum ehrten Ihn nicht einmal die Priester als solcher? Gerade sie waren im Besonderen dazu berufen (Dt 10,8). Und wenn Israel der "Knecht" Gottes ist (Jes 41,8; 44,1-2; 63,17; 65,9.13; Jer 30,10; 46,27-28), warum fürchteten nicht einmal die Priester den HERRN? Dies führte wiederum zu einer Aussage Gottes: "die ihr meinen Namen verachtet", gefolgt von einem Einspruch der Priester:

"Womit haben wir deinen Namen verachtet?" Dies war die zweite Frage des Volkes, fürwahr nicht weniger frech als die erste Frage. Die Ehrfurcht vor dem HERRN ist die Grundlage jeglicher Gottesbeziehung (Spr 1,7) und daher oft im Buch Maleachi zu finden (1,6.14; 2,5; 3,5.16.20). Die Priester hatten kein Bewusstsein für die fehlende Ehrfurcht, was ein weiterer Beweis für ihre geistliche Blindheit war. Auch die heutige Gemeinde-Generation lässt oft die Ehrfurcht vermissen, obschon sie nur einen Vater und nur einen Herrn hat (1Kor 8,6; vgl. Lk 6,46), ohne sich der missenden Ehrfurcht aber bewusst zu sein. Geistliche Blindheit ist ein Markenzeichen der letzten Gemeinde (Offb 3,17) und nur der HERR Jesus hat eine Augensalbe, die geistlich sehend machen kann (Offb 3,18).

B.2 Die Priester opfern verunreinigte Gaben | 1,7-8

7 die ihr unreines Brot auf meinem Altar darbringt und doch sprecht: „Womit haben wir dich verunreinigt?“ Damit, dass ihr sagt: „Der Tisch des HERRN ist verächtlich.“

V 7 | Auch auf die zweite Frage antwortete der HERR in Seiner Gnade, um ihnen zu verdeutlichen, womit sie Seinen Namen verachteten. Er sagte, dass "ihr unreines Brot auf meinem Altar darbringt". "Brot" sollte man in diesem Kontext besser mit "Speise" übersetzen (Vgl. 1,8.13-14), denn es beschreibt eigentlich sämtliche Opfergaben (Vgl. Lev 3,11.16; 21,6.8.17; 22,25; Num 28,2.24; Hes 44,7) auf dem (Brandopfer-) "Altar".

Auf diese Erklärung hin erhoben die Priester einen weiteren Einwand auf Grund ihrer Blindheit. "Womit haben wir dich verunreinigt?" ist die dritte freche Frage im Buch Maleachi, worüber Gerhard Maier folgendes schrieb:

"Man weiss nicht, was erstaunlicher ist: Die Geduld Gottes, mit der Er Einwand um Einwand offen aussprechen lässt, oder die Hartnäckigkeit der Menschen, die sich gegen Gottes Wort abschirmen, besonders da, wo es um die Aufdeckung von Sünde geht."[1]

Wieder setzte der HERR zur Erklärung an: "Damit, dass ihr sagt: „Der Tisch des HERRN ist verächtlich.“" Der "Tisch des HERRN" bezeichnet im Alten wie auch im (geschlossenen) Neuen Bund den Brandopferaltar im Tempel Jerusalems (Vgl. Hes 41,22; 44,16). Im Zeitalter der Gemeinde wird dieser Begriff für die Feier des Abendmahls verwendet (1Kor 10,21), wobei das Brot und der Kelch ebenso auf das wahrhaftige Opfer Christi verweisen (1Kor 11,24-25).

Die Priester haben nicht wörtlich ausgesprochen, dass der Tisch des HERRN verächtlich ist, schliesslich waren sie sich nicht bewusst, dass sie den HERRN verunreinigen. Vielmehr zeugte ihr (Opfer-) Dienst davon, wie sehr sie den "Tisch des HERRN" tatsächlich verachteten (1,8).

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[1] Gerhard Maier, Wuppertaler Studienbibel Prophet Maleachi, S. 126

8 Und wenn ihr Blindes darbringt, um es zu opfern, so ist es nichts Böses; und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, so ist es nichts Böses. Bring es doch deinem Statthalter dar: Wird er dich wohlgefällig annehmen oder Rücksicht auf dich nehmen?, spricht der HERR der Heerscharen.

V 8 | Die Verachtung der Priester zeigte sich darin, dass sie von den Opfertieren "Blindes", "Lahmes" und "Krankes" darbrachten. Dies war laut mosaischem Gesetz ausdrücklich verboten (Lev 22,19-25; Dt 15,21) und trotzdem sahen sie nichts "Böses" darin, dermassen wenig Interesse hatten sie an einem gottesfürchtigen Dienst. Auch der Christusgläubige kann im Gottesdienst mit einem fehlenden geistlichen Verständnis ("Blindes"), in Trägheit ("Lahmes") oder in Einschränkung als Folge von Sünden ("Krankes") vor den HERRN treten. Damit tut er aber nichts weniger, als Seinen Namen zu verachten.

Der "Statthalter" war der Gouverneur, der von den Persern über die Provinz Juda eingesetzt wurde[1]. Der HERR forderte die Priester dazu auf, solche makelbehafteten Opfer doch ihrem Staatsoberhaupt zu bringen. Natürlich würden sie das nicht tun, da jener sie nicht "wohlgefällig annehmen" würde und sie keinerlei Gunst bei ihm finden würden. Aber wenn nicht einmal ein sündiger Mensch Wohlgefallen an diesen Gaben hat, wie kamen sie auf die Idee, dass der heilige Schöpfergott, der "HERR der Heerscharen", Wohlgefallen daran haben würde? Der Christusgläubige steht ebenfalls in der Gefahr hohe Achtung vor Menschen mit Rang zu haben, aber nur wenig für den HERRN Jesus.

"Wenn ein Jungbekehrter dem HERRN Jesus an Seinem Tisch für die Errettung dankt, ist das wirklich eine Freude für den HERRN. Doch wenn Gläubige, die den HERRN schon lange kennen, nicht mehr bringen als das, weil sie wegen mangelnden Bibelstudiums und mangelnder Gemeinschaft mit dem HERRN Jesus so wenig von Seinem Leben und Seinem Sterben kennen, ist das wirklich traurig (Vgl. Hebr 5,12). Kann der HERR nicht mehr von uns erwarten? Haben wir so wenig für Ihn übrig? Wie kalt und gleichgültig sind wir oft. Doch das muss ja nicht so bleiben.  Der HERR Jesus hat so viel für uns eingesetzt, als Er das Opfer für uns wurde. Wollen wir Ihm daher nicht echte Opfer darbringen?"[2]

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[1] Serubbabel war ein solcher Statthalter (Hag 1,2.14; 2,2.21) und auch Nehemia (Neh 5,14; 12,26). Da im vorliegenden Vers Nehemia nicht mit Namen genannt wurde, ist es wahrscheinlich, dass nach der Rückkehr Nehemias an den persischen Königshof (Neh 13,6) jemand anderes das Statthalteramt übernommen hatte.

[2] Werner Mücher, Der Prophet Maleachi, S. 36

B.3 Der HERR akzeptiert solche Opfer nicht | 1,9

9 Und nun, fleht doch Gott an, dass er uns gnädig sei! Von eurer Hand ist das geschehen – wird er um euretwillen Rücksicht nehmen?, spricht der HERR der Heerscharen.

V 9 | Nun ergriff Maleachi ausnahmsweise selbst das Wort und forderte die Priester ironisch dazu auf Gott anzuflehen, "dass er uns gnädig sei". Was für eine Gnade war aber zu erwarten, wenn sie kein Funken an Ehre, Respekt und Ernsthaftigkeit zeigten? Es war ihr Dienst, der den Namen des HERRN verunreinigte und der Tisch des HERRN verächtlich machte: "Von eurer Hand ist das geschehen". Dachten sie wirklich, dass wenn bei dieser geringen Achtung der Statthalter keine gnädige "Rücksicht" nimmt, es aber der "HERR der Heerscharen" tun würde? Was für ein Trugschluss!

B.4 Schliesst den Tempel | 1,10a

10a Wäre doch nur einer unter euch, der die Türen verschlösse, damit ihr nicht vergeblich auf meinem Altar Feuer anzündetet!

V 10a | Nun folgte der Kern der Botschaft: In dieser Haltung der Blindheit, Trägheit und Ehrfurchtlosigkeit, wäre es besser gewesen die "Türen" des Vorhofes zu verschliessen und den Gottesdienst einzustellen. Doch nicht "einer" der Priester hatte ein Sündenempfinden und verstand, dass ein solcher Dienst "vergeblich" war. Ein Gottesdienst, in dem es nicht um Gott geht, ist lediglich ein Dienst, der ins Leere läuft. Leider ist auch dies ein Merkmal der heutigen Gemeinde, in der oftmals der HERR Jesus vor der Türe steht: "Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir." (Offb 3,20) Wenn niemand Seine Stimme hört, nicht "einer", wäre es besser die Gemeindetüren zu schliessen.

B.3' Der HERR akzeptiert solche Opfer nicht | 1,10b-11

10b Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der HERR der Heerscharen, und eine Opfergabe nehme ich nicht wohlgefällig aus eurer Hand an.

V 10b | Der HERR hatte "kein Gefallen" an den Priestern und "eine Opfergabe nehme ich nicht wohlgefällig aus eurer Hand". Bereits bei Jesaja sagte der HERR dem Volk "Bringt keine wertlose Opfergabe mehr!" (Jes 1,13a). Mit diesen vergeblichen Opfern zertraten sie lediglich den Boden des Vorhofes (Jes 1,12). Sucht der Gläubige nicht das Wohlgefallen Gottes (2Kor 5,9; vgl. Gal 1,10) und steckt er andere mit seiner Trägheit und seiner Rebellion an, wäre es für ihn besser, gar nicht erst in den Gottesdienst zu kommen. Unendlich viel Mal besser wäre es für ihn natürlich, sich unter die mächtige Hand Gottes zu demütigen (1Pt 5,6) und umzukehren (3,7).

11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang wird mein Name groß sein unter den Nationen; und an jedem Ort wird geräuchert, dargebracht werden meinem Namen, und zwar reine Opfergaben. Denn mein Name wird groß sein unter den Nationen, spricht der HERR der Heerscharen.

V 11 | Durch eine eindrückliche Prophetie machte der HERR deutlich: Wenn Sein auserwähltes Volk Ihm nicht die Ehre bringt, werden dies künftig die Nationen tun. Ja, Er könnte sogar tote Steine dazu bringen, Ihm Ehre zu geben (Vgl. Lk 19,40). "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang" bedeutet, dass die Nationen weltweit, vom Osten bis zum Westen, den "Namen" Gottes "gross" machen werden. Nicht mit geringen Opfern, sondern mit "reinen Opfergaben" und das "an jedem Ort".

Einige Ausleger sehen die Erfüllung bereits in der Verbreitung des Evangeliums durch die Gemeinde Christi. Dies setzt aber eine Vergeistlichung der "Opfergaben" voraus, ohne das Natürliche zu berücksichtigen. Paulus schrieb aber "das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistige." (1Kor 15,46) Auch wenn eine gewisse Teilerfüllung im Zeitalter der Gemeinde vorhanden ist, wird sich diese Prophetie erst im 1000-jährigen Reich wörtlich und vollständig erfüllen.

Die Übersetzung lässt übrigens zwei Möglichkeiten zu: "an jedem Ort" würde bedeuten, dass die Nationen weltweit an ihrem jeweiligen Ort opfern werden (Vgl. Zeph 2,11). "Aus jedem Ort" würde bedeuten, dass die Nationen weltweit regelmässig nach Jerusalem kommen (Sach 14,16-21) und dem HERRN opfern werden (Jes 56,6-7). Auf Grund der Tatsache, dass es keine Bibelstelle gibt, die im 1000-jährigen Reich Opfergaben ausserhalb des Tempels in Jerusalem explizit beschreibt, ist die Übersetzung "aus jedem Ort" hier wohl vorzuziehen. Das Resultat bleibt aber in beiden Fällen dasselbe: "Denn mein Name wird groß sein unter den Nationen, spricht der HERR der Heerscharen."

B.2' Die Priester opfern verunreinigte Gaben | 1,12-13a

12 Ihr aber entweiht ihn, indem ihr sprecht: „Der Tisch des Herrn ist verunreinigt, und sein Einkommen, seine Speise, ist verächtlich.“

V 12 | Das "Ihr aber" markierte einen starken Kontrast zur Prophetie in 1,11. Die Nationen werden in der Zukunft weltweit den Namen des HERRN gross machen, die Priester des auserwählten Volkes Gottes aber entweihten ihn. Wie bereits in 1,7 haben sie nicht explizit gesagt, dass "der Tisch des Herrn ist verunreinigt, und sein Einkommen, seine Speise, ist verächtlich." Vielmehr haben sie durch ihre Werke zum Ausdruck gebracht, wie sehr sie ihren Dienst vor und für den HERRN verachteten.

13a Und ihr sprecht: „Siehe, welch eine Mühsal!“ Und ihr blast ihn an, spricht der HERR der Heerscharen,

V 13a | Woher kam die Verachtung ihres Dienstes? Schliesslich durften die Priester beständig vor dem HERRN stehen und die Söhne Korahs sangen sogar: "Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend;" (Ps 84,11a) Nun, die Priester sagten "Siehe, welch eine Mühsal" der ganze Dienst doch ist. "Mühsal" könnte man auch mit "lästig", "unbequem" oder "schwierig" übersetzen. Ihr Dienst war ihnen zur Last geworden, weil sie keine Freude mehr daran hatten. Sie haben ihn als ein Tageswerk angesehen, das so schnell und bequem erledigt werden soll. "Und ihr blast ihn an" ist ein hebräischer Ausdruck, den man mit "Und ihr rümpft deshalb eure Nase" oder "Und ihr pfeift auf ihn" übertragen kann und ein neuer Höhepunkt an Frechheit, Aufsässigkeit und Rebellion markierte. Zum Weg von der Müdigkeit im Dienst bis zu dessen Verachtung, schrieb Ger de Koning folgendes:

"Sehen wir nicht in unseren Tagen dieselbe Müdigkeit in Bezug auf die Dinge des HERRN? Gibt es nicht Christen, die einst aktiv im Dienst des HERRN waren, jetzt aber müde sind? Sie sind müde geworden, müde vom Beten, müde vom Bibellesen, müde vom Denken an den HERRN, müde vom Predigen des Evangeliums, müde von den Dingen des HERRN und müde von dem Volk des HERRN. Ein Bekenntnis ohne Praxis und ein Gottesdienst ohne Hingabe führen zu Müdigkeit in den Dingen des HERRN. Und wenn Menschen einer Sache überdrüssig werden, werden sie diese am Ende geringschätzen und schließlich verachten."[1]

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[1] Ger de Koning, Kommentar zu Mal 1,13 auf kingcomments.com

B.1' Gott wird als König und Herr nicht gefürchtet | 1,13b-14

13b und bringt Geraubtes herbei und das Lahme und das Kranke; und so bringt ihr die Opfergabe. Soll ich das wohlgefällig von eurer Hand annehmen?, spricht der HERR.

V 13b | Bereits in 1,8 wies der HERR auf das "Lahme" und "Kranke" hin, welches die Priester als "Opfergabe" brachten, obschon dies im mosaischen Gesetz ausdrücklich verboten war. Offensichtlich brachten sie auch "Geraubtes", sprich gestohlene Opfertiere, wobei Raub und Diebstahl im Gesetz natürlich ebenfalls verboten war (Ex 20,15; Lev 19,11; Dt 5,19). Völlig zu Recht fragte der HERR einmal mehr: "Soll ich das wohlgefällig von eurer Hand annehmen?"

14 Und verflucht sei, wer betrügt, während ein Männliches in seiner Herde ist; und wer gelobt und dem Herrn ein Verdorbenes opfert! Denn ich bin ein großer König, spricht der HERR der Heerscharen, und mein Name ist furchtbar unter den Nationen.

V 14 | "Gelobt" bezieht sich auf ein Gelübde. Zwar gab es unter dem mosaischen Gesetz keinerlei Zwang für ein Gelübde (Dt 23,23), was aber gelobt war, musste nach mehrfacher Vorschrift auch erfüllt werden (Num 30,3; Dt 23,22; Ri 11,35; Pred 5,3-6). Gelobte jemand ein männliches Opfertier, musste dieses ohne Fehl und Makel sein (Lev 22,18-19). Brachte man stattdessen ein "Verdorbenes", war das nichts weniger als Betrug gegenüber dem heiligen Gesetz Gottes (Lev 22,22-25) und damit gegen den heiligen Gott selbst. War ihnen noch bewusst, wer der "HERR der Heerscharen" eigentlich ist?

Er war ja nicht nur ihr Vater und ihr Herr (1,6), sondern auch "ein grosser König". Aber die Priester ehrten den Gott Israels weder als Vater noch als Herrn, geschweige denn als grosser König. Im Gegenteil: Sie verwarfen ihn auf allen Ebenen und brachten in ihrem Dienst ihre abgrundtiefe Verachtung zum Ausdruck, auch wenn sie das in ihrer geistlichen Blindheit nicht so sahen. Deswegen sollten sie "verflucht" werden mit dem ganzen Fluch des Gesetzes (Vgl. Dt 28,15-68).

"mein Name ist furchtbar unter den Nationen" schlug eine Brücke zu 1,11. Wieder ist eine Teilerfüllung im Zeitalter der Nationen zu erkennen, aber die Prophetie wird sich erst im 1000-jährigen Friedensreich vollständig erfüllen (Vgl. Jes 11,9). Zum Begriff "furchtbar" schrieb Werner Mücher:

"Was bedeutet es, dass der Name Gottes "furchtbar" ist? Das hebräische Wort für "furchtbar" kann übersetzt werden mit: Grausam, heilig, schrecklich sein, Angst haben, ängstlich sein, sich scheuen, in Ehrfurcht stehen, verehren, ehren, respektieren, gefürchtet werden, Staunen und Ehrfurcht erregend, in Ehrfurcht gehalten werden, Ehrfurcht erwecken oder göttliche Furcht oder Scheu, erschrecken. Dieses Bedeutungsspektrum zeigt den Ernst der Tatsache, dass dem Namen Gottes alle Ehrfurcht gebührt. Wir finden hier zwei Seiten:

1. Die Menschen, die Gott nicht ernst nehmen, werden Ihn als einen furchtbaren Richter kennenlernen. "Es ist furchtbar in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" (Hebr 10,31)

2. Die Menschen, die Gott lieben, Ihn von Herzen fürchten und Ihm dienen, wird Gott einmal mit Segnungen überhäufen."[1]

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[1] Werner Mücher, Der Prophet Maleachi, S. 50



 

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