Maleachi Kapitel 2

Autor: Michael Briggeler
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B.5 Das Gericht über die Priester | 2,1-3

1 Und nun, ihr Priester, an euch ergeht dieses Gebot!

V 1 | Die erneute Anrede "ihr Priester" (Vgl. 1,6), markierte ein neues Unterthema in Gottes Kritik an den Priestern. Das "Gebot" an die Priester kannten sie eigentlich schon, aber der HERR führte es ihnen in Seiner Gnade noch einmal vor Augen (2,5-7). Da der Kern dieses Gebotes die Verkündigung war, ist die Anwendung für den Christusgläubigen ähnlich wie bei der Anforderungsliste für die Ältesten im NT (1Tim 3,1-7; Tit 1,5-9). Auch dort gelten die Gebote primär dem Ältesten, jedoch sind die meisten davon für alle Gläubigen der Gemeinde anzustreben.

2 Wenn ihr nicht hört und wenn ihr es nicht zu Herzen nehmt, meinem Namen Ehre zu geben, spricht der HERR der Heerscharen, so werde ich den Fluch unter euch senden und eure Segnungen verfluchen; ja, ich habe sie schon verflucht, weil ihr es nicht zu Herzen nehmt.

V 2 | Als geistliche Leiterschaft war es an den Priestern "meinem Namen Ehre zu geben", indem sie ihr Gebot (2,1) "hören" und "zu Herzen nehmen". Das Hören in der Bibel beinhaltet neben dem akustischen Hören bereits den Gehorsam des Gehörten (Vgl. Dt 4,1; 5,1; 6,3-4; 9,1; 13,12; 20;3; 21,21; 27,9). Es sollte aber nicht nur ein zu erledigendes Tagesgeschäft sein (Vgl. 1,13) und es war auch keine Perfektion gefordert, sehr wohl aber sollte es zu einer Herzenshaltung werden. Sie sollten es sich "zu Herzen nehmen" (Vgl. 1Kö 8,47; 2Chr 6,37; Jes 41,20.22; Kla 3,21), dem HERRN zu dienen und damit Seinem Namen Ehre zu geben. "Wenn" sie das aber nicht tun, "werde ich den Fluch unter euch senden und eure Segnungen verfluchen."

Statt Boten Gottes, würde der HERR nun den Fluch des Gesetzes "senden" (Vgl. Dt 28,15.20). Mit "euren Segnungen" waren allgemein die materiellen Segnungen unter dem Alten Bund gemeint (Dt 28,1-4; Vgl. 3,10-12), im Besonderen aber die Segnungen, die durch die Priester ausgesprochen wurden: "Und die Priester, die Söhne Levis, sollen herzutreten; denn sie hat der HERR, dein Gott, erwählt, ihm zu dienen und im Namen des HERRN zu segnen;" (Dt 21,5a; vgl. Num 6,24-26). Es war Teil der Berufung der Priester, das Volk zu segnen, aber so wie der HERR früher den Fluch Bileams in Segen verwandelte (Num 23,7-12; Neh 13,1-2), muss Er jetzt den Segen der Priester in Fluch verwandeln.

Die Vergangenheitsform "ja, ich habe sie schon verflucht" zeigte an, dass das Gericht bereits beschlossen und in Anmarsch war, "weil ihr es nicht zu Herzen nehmt".

3 Siehe, ich schelte euch die Saat und streue euch Mist in das Angesicht, den Mist eurer Feste, und man wird euch zu ihm hintragen.

V 3 | Die besondere Berufung der Priester führte zu einem besonderen Gericht für die Priester. Einerseits würde der HERR von nun an ihre Saat "schelten". Das Schelten Gottes hat in der Bibel die Bedeutung von "ausser Kraft setzen" oder "ausschalten" (Vgl. 3,11; Ps 9,6; 106,9; 119,21; Nah 1,4; Sach 3,2). Die "Saat" könnte sich auf die Saat des Landes bezogen haben (Vgl. 3,11; Am 9,13; Hag 2,19), oder aber auch auf die Nachkommen der Priester (Vgl. 2,15). Beides hatte sich erfüllt: Der magere Ertrag und das spätere Priestergeschlecht, das bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. seine priesterlichen Aufgaben verlor und das bis heute. Erst im Friedensreich wird es diesbezüglich Wiederherstellung geben (Jer 33,22; Hes 43,19; 44,15-16; 45,4-5).

Andererseits sagte der HERR: "ich streue euch Mist in das Angesicht". Das Wort "Mist" findet sich noch fünf Mal im AT (Ex 29,14; Lev 4,11; 8,17; 16,27; Num 19,5), wobei es an allen Stellen den nicht verzehrten Inhalt des Magens und der Gedärme der Opfertiere beschreibt. Dieser ekelhafte und unreine Inhalt verglich der HERR mit "euren Festen". Damit waren nicht nur die grossen Feste gemeint, sondern sämtliche Gottesdienste, da der Sabbatgottesdienst ebenfalls als Fest bezeichnet wurde (Vgl. Lev 23,2-3). Durch ihre Einstellung und ihre Haltung, verkamen die Feste des HERRN zu "euren Festen" (Vgl. Joh 5,1; 6,4; 7,2), so dass es besser gewesen wäre, gar keine Gottesdienste zu feiern (1,11). Aber da sie dennoch kamen und einen unreinen Dienst verrichteten, wird der HERR ihnen diese Unreinheit "ins Angesicht" streuen. Der HERR erwiderte damit die Verachtung, die sie Ihm entgegenbrachten. Genau so wie die ekelerregenden Darminhalte wegen ihrer Unreinheit vor dem Lager verbrannt werden mussten (Ex 29,14), so wird der HERR die Priester vor dem Volk der Verachtung preisgeben.

Auch dieser Abschnitt unterstreicht einmal mehr die Ernsthaftigkeit eines Gottesdienstes in den Ordnungen des HERRN, die in der heutigen Gemeinde weitgehend verloren ging. Kaum jemand ist sich dessen bewusst, aber das Gericht für falsches Verhalten in der Gemeinde kann bis zum physischen Tod führen (Vgl. 1Kor 11,30).

B.6 Der eigentliche Auftrag der Priester | 2,4-7

4 Und ihr werdet wissen, dass ich dieses Gebot an euch gesandt habe, damit mein Bund mit Levi sei, spricht der HERR der Heerscharen.

V 4 | Durch das kommende Gericht werden die Priester "wissen, dass ich dieses Gebot an euch gesandt habe". Sein mächtiges Gerichtshandeln bestätigte, dass die Berufung der Priester und ihr Auftrag von Ihm, dem "HERRN der Heerscharen", kam. Wäre ihnen das doch eher bewusst gewesen.

"damit mein Bund mit Levi sei" könnte man auch übersetzen mit "damit mein Bund mit Levi in Kraft bleibt". Indem der HERR die verkommene Priesterschaft richtete, sorgte Er dafür, dass Sein Bund bestehen blieb. Hätte Er alles laufen lassen, hätte Er diesen Bund selbst aufgehoben, aber der HERR nimmt alle Seine Bündnisse mit dem Menschen äusserst ernst. Leider tritt der Mensch auch im Hause Gottes oft gegen Seine Bündnisse, so dass das Gericht gerade dort beginnen muss (1Pt 4,17).

5 Mein Bund mit ihm war das Leben und der Frieden; und ich gab sie ihm zur Furcht, und er fürchtete mich, und er zitterte vor meinem Namen.

V 5 | In der Bibel wird an keiner Stelle explizit ein Bund mit Levi erwähnt. Nun aber der Hinweis: "Mein Bund mit ihm war das Leben und der Frieden". Diese Wortwahl von "Leben" und "Frieden" finden wir im Bund mit Pinehas: "Pinehas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters, hat meinen Grimm von den Kindern Israel abgewandt, indem er in meinem Eifer in ihrer Mitte geeifert hat, so dass ich die Kinder Israel nicht in meinem Eifer vertilgt habe. 12 Darum sprich: Siehe, ich gebe ihm meinen Bund des Friedens; 13 und er wird ihm und seinen Nachkommen nach ihm ein Bund ewigen Priestertums sein, weil er für seinen Gott geeifert und für die Kinder Israel Sühnung getan hat." (Num 25,11-13)

Auf Grund des Eifers von Pinehas, dem Enkel Aarons, schloss der HERR mit ihm und seinen Nachkommen einen Bund des Friedens und des Lebens ("Bund des ewigen Priestertums"). Gerhard Maier schrieb folgendes dazu:

""Frieden", hebräisch Schalom, umschliesst Heil, Wohlbefinden, Geborgenheit und Gemeinschaft mit Gott. Ebenso floss aus diesem Bund für ihn das "Leben". D.h. ihr Existenzrecht war eine Folge ihres Dienstes für Gott. Man kann hier eine Andeutung der Wahrheit sehen, dass derjenige, der nicht mehr für Gott leben will, sein Lebensrecht verspielt hat. Dass der Levibund ihnen Leben gab, lässt sich ganz konkret an der Verheissung der Nachkommenschaft (Num 25,13; Jer 33,22) und an der Drohung gegen ihre Feinde (Dt 33,11) ablesen."[1]

Auf Grund seines Eifers für den HERRN, machte Er ihn mittels seines Bundes zum Vorbild für alle Priester in Gegenwart und Zukunft. Der "Friede" und das "Leben" hatte der HERR ihm "zur Furcht" gegeben. Die Ehrfurcht war der Ausgangspunkt für die nachfolgenden sieben Merkmale, die Pinehas auszeichneten und im scharfen Kontrast zur Priestergeneration Maleachis standen.

Erstens lebte Pinehas in dieser Furcht vor dem allmächtigen HERRN: "er fürchtete mich, und er zitterte vor meinem Namen". Das war der Antrieb für seinen kompromisslosen Eifer für den HERRN, seine ganze Gottesbeziehung baute darauf auf. Salomo stellte die Ehrfurcht vor dem HERRN ganz zu Beginn des wahren Sinnes des Lebens: "Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze Mensch." (Pred 12,13)

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[1] Gerhard Maier, Wuppertaler Studienbibel Prophet Maleachi, S. 142

6 Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Mund, und Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen; er wandelte mit mir in Frieden und Geradheit, und viele brachte er von ihrer Ungerechtigkeit zurück.

V 6 | Zweitens: "Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Mund". Für "Gesetz" steht hier das berühmte Wort "Thora", welches man auch mit Weisung übersetzen kann. Gottes Gesetz gibt nicht nur eine Rechtsgrundlage, sondern ist zugleich eine ganzheitliche Weisung für den Gläubigen zu einem gottesfürchtigen Leben (Vgl. 2Tim 3,16-17; 2Pt 1,3). "Wahrheit" bezeichnet in der Bibel meist das, was Gottes Willen entspricht und der sich wiederum in Seinem Wort dem Menschen offenbart. Pinehas war ein vorbildlicher Verkündiger, der Gottes Wort nach der gesunden Lehre (Tit 2,1) verkündete, sei es zu gelegener oder ungelegener Zeit (2Tim 4,2).

Drittens: "Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen". "Unrecht" kann auch mit "Krummheit", "Unverlässlichkeit", "Verkehrtes", "Missetaten", "Falschheit" oder "Lüge" übersetzt werden. Indem Pinehas keine Verse aus dem Kontext riss, sondern stets an der Summe des Wortes (Ps 119,160) festhielt, lehrte er keine krummen Halbwahrheiten (Vgl. 2Tim 2,15).

Viertens: "Er wandelte mit mir in Frieden und Geradheit". Pinehas "wandelte" mit dem HERRN, so wie zuvor bereits Henoch (Gen 5,22) und Noah (Gen 6,9). Wer mit dem HERRN wandelt, lebt in "Frieden" mit Ihm (Vgl. Röm 5,1) und sein Glaube zeigt sich in Werke der "Geradheit" (Vgl. Jak 2,22).

Fünftens: "viele brachte er von ihrer Ungerechtigkeit zurück". Durch die Übereinstimmung der Verkündung mit dem Wandel, brachte Pinehas viele dazu, sich von der Sünde abzukehren und wieder dem HERRN nachzufolgen (Vgl. Dan 12,3; 1Tim 4,16; Jak 5,19-20).

7 Denn die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis bewahren, und das Gesetz sucht man aus seinem Mund, denn er ist ein Bote des HERRN der Heerscharen.

V 7 | Sechstens: "Die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis bewahren". Der Schwerpunkt liegt hier auf "bewahren", ähnlich wie im NT das Festhalten der gesunden Lehre (1Tim 6,3; 2Tim 1,13; Tit 1,9). Pinehas und die Priestergenerationen nach ihm, bewahrten ihre Erkenntnis im Wort Gottes und lehrten das Volk: "Sie werden Jakob deine Rechte lehren, und Israel dein Gesetz;" (Dt 33,10a)

Siebtens: "das Gesetz sucht man aus seinem Mund". Ein grundlegender Aspekt des Priesterdienstes war es zu unterscheiden zwischen heilig und unheilig, zwischen rein und unrein (Lev 10,10; vgl. Hes 44,23). Es ging nicht nur darum das Gesetz zu kennen, sondern es in den unzähligen Alltagsituationen des Volkes übertragen und anwenden zu können. Ein Leiter des Volkes Gottes schafft Raum für Wachstum hin zum Mass des vollen Wuchses (Eph 4,13).

Folgerung: "er ist ein Bote des HERRN der Heerscharen". Nicht nur Maleachi (1,1) oder Johannes der Täufer (3,1) waren "ein Bote des HERRN", sondern jeder Priester, der die soeben betrachteten Merkmale aufwies. Der Priester war durch seine Verkündigung und seinem Wandel ein Botschafter des HERRN, gesandt, um dem Volk des HERRN zu dienen. Wie eingangs erwähnt, lässt sich dieser Abschnitt im Besonderen auf die Ältesten übertragen, auch sie sollten sich am Vorbild des Pinehas orientieren und in der Gemeinde entsprechend als Boten des HERRN betrachtet werden. Dass vieles davon für jeden Mitarbeiter am Hause Gottes gilt, schreibt auch Donald Stamps:

"Mitarbeiter des Reiches Gottes müssen die gleichen Qualitäten haben, wie sie in diesen Versen erwähnt sind. Sie müssen Liebe und Respekt für Gott zeigen, ehrlich gemäss seinen Massstäben leben, die Wahrheit predigen und durch ihr Beispiel vorangehen. Wenn sie das tun, wird ihre Botschaft wirksam sein, indem sie Menschen weg von der Sünde und hin zu Gott wenden."[1]

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[1] Donald Stamps, Stamps Studienbibel, S. 1610

B.7 Das Versagen der Priester | 2,8-9

8 Ihr aber seid abgewichen vom Weg, habt viele straucheln gemacht im Gesetz, ihr habt den Bund Levis zerstört, spricht der HERR der Heerscharen.

V 8 | Das "Ihr aber" (Vgl. 1,12) bildete den erschütternden Kontrast zwischen dem Vorbild des Pinehas und der Priestergeneration Maleachis. Und das trotz der Tatsache, dass sich die Priester und Leviten einige Jahre zuvor gemeinsam reinigten (Esr 6,20-22; Neh 12,30). Sie waren "abgewichen vom Weg", auf den sie gemäss ihrer Berufung wandeln sollten. Sie strauchelten darin nicht nur selbst, sondern haben "viele straucheln gemacht im Gesetz". Ihre Verkündigung war nicht auf den HERRN, sondern auf den Menschen gerichtet (2,9; Vgl. 2Tim 4,3) und war daher eine Fehlleitung im wahrsten Sinne des Wortes. Falsche Verkündigung zog unter dem mosaischen Gesetz ein besonders hartes Gericht nach sich (Dt 18,20-22; vgl. Hes 13,6-9; Mi 3,5-7). Dies gilt aber auch für den Christusgläubigen (Mt 18,6; Mk 9,42; Lk 17,2) und daher soll es in der Gemeinde nicht viele Lehrer geben (Jak 3,1).

Damit haben die Priester den "Bund Levis" zerstört (Vgl. Neh 13,29), den die Einzugsgeneration noch gehalten hatte (Dt 33,9). Deswegen war das angekündigte Gericht bereits beschlossen (2,2-3).

9 So habe auch ich euch beim ganzen Volk verächtlich und niedrig gemacht, in dem Maß, wie ihr meine Wege nicht bewahrt und die Person anseht beim Gesetz.

V 9 | "die Person anseht im Gesetz" war ein weiterer Aspekt, mit dem die Priester "meine Wege nicht bewahrt" haben. Im mosaischen Gesetz war jede Parteilichkeit verboten (Lev 19,15; Dt 1,17; vgl. Spr 11,1; 16,11; 20,10.23), denn beim HERRN gibt es kein Ansehen der Person (Röm 2,11; Eph 6,9; 1Pt 1,17; daher gilt dies auch für die Gemeinde: 1Tim 5,21). "In dem Mass", wie die Priester das Gesetz missachten, "habe ich euch beim ganzen Volk verächtlich und niedrig gemacht". Weil der HERR zum Bund mit Levi stand, richtete er in gerechter Art und Weise. Die Priester verloren jegliches Ansehen beim Volk, da der HERR ihre Verkommenheit allen offenbar machte (Vgl. 2,3).

Exkurs I: Pinehas

Pinehas ist eines der eindrücklichsten Figuren des AT und weil Maleachi einen zentralen Bezug auf ihn nahm, soll an dieser Stelle ein grobes Bild von diesem aussergewöhnlichen Priester skizziert werden.

 

Pinehas war der Sohn des Hohenpriesters Eleasar und ein Enkel Aarons (Ex 6,25; Jos 24,33) und als solcher wurde er ebenfalls Hohepriester (Jos 22,13; vgl. Ri 20,28). Bevor er aber dieses höchste Amt der geistlichen Leiterschaft Israels bekleidete, war er Leiter der korahitischen Torhüter (1Chr 9,20).

 

Als das Volk Israel bei Sittim war, trieben sie Unzucht mit den Töchtern Moabs und rutschten in den Götzendienst von Baal-Peor ab (Num 25,1-3). Als dann Simri trotz der Plage Gottes die midianitische Kosbi vor den Eingang der Stiftshütte brachte, nahm Pinehas eine Lanze und durchbohrte beide (Num 25,6-8). Darauf kam die Plage Gottes zu einem Ende und bevor der HERR ihm einen Bund des Friedens und des Lebens gab (Num 25,12-13), sprach Er vor dem ganzen Volk zu Mose: "Pinehas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters, hat meinen Grimm von den Kindern Israel abgewandt, indem er in meinem Eifer in ihrer Mitte geeifert hat, so dass ich die Kinder Israel nicht in meinem Eifer vertilgt habe." (Num 25,11) Pinehas eiferte mit "meinem Eifer", sprich mit Gottes Eifer. In der ganzen Bibel lesen wir nur noch von Paulus, dass er mit Gottes Eifer eiferte (2Kor 11,2; nicht explizit, aber natürlich auch der HERR Jesus in Joh 2,17).

 

Pinehas war auch ein Mann des Krieges. Mose sandte ihn mit den Trompeten und den heiligen Geräten zusammen mit dem Heer Israel in den Kampf gegen die Midianiter (Num 31,6). Sein Eifer zeigte sich also auch darin, dass er sich im Kampf gegen die Feinde Gottes stellte.

 

Schliesslich trat Pinehas auch als Mittler auf zwischen den 10 Stämmen und den Stämmen Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse. Durch sein Gespräch wurden die Missverständnisse beider Gruppen geklärt (Jos 22,21-24.28) und damit wurde er zum Schatten auf den Messias als den Mittler des Neuen Bundes (1Tim 2,5; Hebr 8,6; 9,15; 12,24). Kein Wunder also erhob der HERR Pinehas zum grossen Vorbild für alle Priestergeschlechter, einschliesslich dem Christusgläubigen.

C Untreue in der Ehe | 2,10-16

Nach der Kritik an den Priestern, kam Maleachi auf die Treulosigkeit des Volkes zu sprechen (2,10). Das Wort "treulos" ist das Schlagwort dieses Abschnittes, es begegnet dem Leser fünf Mal (2,10.11.14.15.16). Die Treulosigkeit hatte sich einerseits in den Mischehen (2,11-12), andererseits in den unrechtmässigen Scheidungen (2,13-16) gezeigt.

C.1 Die Treulosigkeit des Volkes | 2,10

10 Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen? Warum handeln wir treulos einer gegen den anderen, indem wir den Bund unserer Väter entweihen?

V 10 | Maleachi ergriff nun selbst das Wort, was in seinem Buch eine Seltenheit ist, denn meistens verkündete er die Worte des HERRN in direkter Rede. Indem er die Worte "wir", "uns" und "unserer" verwendete, machte er sich eins mit der Sünde des Volkes, wie bereits zuvor Daniel (Dan 9,4-6), Esra (Esr 9,6) und Nehemia (Neh 1,6-7). Es sind drei aufbauende Fragen, die der Prophet formulierte:

"Haben wir nicht alle einen Vater?" Das war eine rhetorische Frage. Natürlich wusste das Volk, wer ihr Vater war: "Und nun, HERR, du bist unser Vater;" (Jes 64,7a; vgl. 63,16; Dt 32,6; Jer 3,19)

"Hat nicht ein Gott uns geschaffen?" Eine logische Folgerung der ersten Frage und ebenso für alle klar: "Vergeltet ihr so dem HERRN, du törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet." (Dt 32,6; vgl. Jes 43,1.7; 44,1-2; Ps 100,3). Die Betonung liegt hier beim Zahlenwort "ein Gott", wie bereits bei der ersten Frage "einen Vater". Der Gedanke war also nicht, dass es irgendein Vater oder irgendein Gott war, sondern sie haben alle den einen und denselben Vater und Gott.

Wenn das ganze Volk denselben Vater und denselben Gott hatte, warum "handeln wir treulos einer gegen den anderen"? Im Blick auf den Gott Israels waren sie alle Geschwister und dennoch war keine geschwisterliche Liebe zu sehen, sondern gegenseitige Treulosigkeit, "indem wir den Bund unserer Väter entweihen". Mit dem "Bund unserer Väter" war der Bund am Sinai gemeint (Vgl. Dt 5,2-3; 2Kö 17,15; Jer 11,3-4; 31,23 Neh 9,13-14), womit das Volk durch Gesetzesverstösse gegen jenen Bund untereinander treulos handelte. Zwei dieser Gesetzesverstösse nannte der Prophet nun beim Namen.

C.2 Die Sünde der Mischehe | 2,11-12

11 Juda hat treulos gehandelt, und ein Gräuel ist verübt worden in Israel und in Jerusalem; denn Juda hat das Heiligtum des HERRN entweiht, das er liebte, und ist mit der Tochter eines fremden Gottes vermählt.

V 11 | Nicht nur "Juda hat treulos gehandelt", sondern "in Israel und in Jerusalem" war "ein Gräuel verübt worden". Der Begriff "Gräuel" wurde in der Vergangenheit für verabscheuungswürdige Dinge verwendet, wie z.B. in Verbindung mit Götzen (Dt 7,26; 32,16), schändlichen sexuellen Handlungen (Lev 18,22.30; 20,13) und unreinen Speisen (Dt 14,3).

Nun reihte sich folgende Sünde in diese Liste ein: "Juda […] ist mit der Tochter eines fremden Gottes vermählt". Die Heirat mit ausländischen Frauen war gemäss mosaischem Gesetz strikt verboten (Ex 34,12.15; Dt 7,3), weil die jüdischen Männer damit vom HERRN abfielen und den Göttern der fremden Frauen anhingen: "und du von ihren Töchtern für deine Söhne nehmest und ihre Töchter ihren Göttern nachhuren und machen, dass deine Söhne ihren Göttern nachhuren." (Ex 34,16; vgl. Dt 7,4)

Nicht lange zuvor hatte Esra mit diesem Problem der Mischehen zu kämpfen (Esr 9,1-2). Auch Nehemia verzeichnete dieses Problem (Neh 13,23), wobei dort sogar zu lesen ist, dass ein angehender Hohepriester sich mit dem Feind verschwägert hatte (Neh 13,28). Damit hatte das Volk "das Heiligtum des HERRN entweiht, das er liebte". Die Priester des Tempels waren unrein, die Opfergaben waren unrein, und so war der Tempel unrein, den der HERR so "liebte". Denn dort konnte Er unter Seinem Volk wohnen und mit ihnen Gemeinschaft haben (Ex 25,8; 29,45-46; 1Kö 6,13; 8;10-13; Ps 132,13-14).

B.1 Die Antwort des Volkes | 1,12

12 Der HERR wird den Mann, der das tut, aus den Zelten Jakobs ausrotten, den wachenden und den, der einen Laut von sich gibt, und den, der dem HERRN der Heerscharen eine Opfergabe darbringt.

V 12 | Nun verkündigte Maleachi das Gericht Gottes über die Sünde der Mischehe: "Der HERR wird den Mann, der das tut, aus den Zelten Jakobs ausrotten". Die "Zelte Jakobs" war ein bildhafter und gebräuchlicher Ausdruck für die Häuser der Israeliten (Num 24,5; 2Sam 20,1; 1Kö 12,16; Jer 30,18; Sach 12,7). Der Begriff "ausrotten" bezog sich an anderen Stellen meist auf das Gericht über Völker oder Sünder (Lev 17,10; Dt 12,29; 19,1). Das Gericht wurde endgültig wie auch vollumfänglich angekündigt, was noch einmal mit einer Redewendung unterstrichen wurde: "den wachenden und den, der einen Laut von sich gibt", mit anderen Worten: Alles, was unter dem Volk Israel lebt und Antwort geben kann. Und wenn jemand dazu noch "dem HERRN der Heerscharen eine Opfergabe darbringt", macht er sich auf Grund seiner Heuchelei doppelt schuldig, denn "Das Opfer der Gottlosen ist dem HERRN ein Gräuel" (Spr 15,8). Dieser Abschnitt macht deutlich, wie sehr der HERR die Verbindung zwischen einem gläubigen und einem ungläubigen Teil verachtet. Daher ist auch für den Gläubigen der Gemeinde eine Heirat mit einer ungläubigen Person gemäss dem Gesetz Christi verboten (2Kor 6,14-15).

C.3 Die Sünde der unrechtmässigen Scheidung | 2,13-16

13 Und zweitens tut ihr dieses: Ihr bedeckt den Altar des HERRN mit Tränen, mit Weinen und Seufzen, weil[1] er sich nicht mehr zu eurer Opfergabe wendet noch Wohlgefälliges aus eurer Hand annimmt.

V 13 | "Und zweitens tut ihr dieses" markierte deutlich die Erläuterung einer anderen Sünde, die folglich nicht die erstgenannte Sünde voraussetzte.

"Ihr bedeckt den Altar des HERRN mit Tränen, mit Weinen und Seufzen" Das "Ihr" bezog sich immer noch auf das sündige Volk, das treulos einer gegen den anderen handelte (2,10). Warum aber weinten und seufzte das angeklagte Volk? "Weil er sich nicht mehr zu eurer Opfergabe wendet noch Wohlgefälliges aus eurer Hand annimmt." Sie weinten nicht aus Reue über ihr sündiges Verhalten, sondern auf Grund des ausbleibenden Segens. Damit glichen sie Esau, über den es heisst: "denn ihr wisst, dass er auch nachher, als er den Segen erben wollte, verworfen wurde (denn er fand keinen Raum zur Buße), obgleich er ihn mit Tränen eifrig suchte." (Hebr 12,17; vgl. Hos 7,14; 2Kor 7,10)

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[1] Die CSV Elberfelder übersetzt hier "so dass" anstelle von "weil". Auf diese Weise müsste man das "Ihr" wohl auf die geschiedenen Frauen aus 2,14-15 beziehen und das "eurer" auf die Männer, die die Scheidung erwirkt haben. Sprachlich birgt das die Schwierigkeit, dass zwei Subjekte im selben Satz stehen. Die Aussage wäre ebenso problematisch, da der HERR die Opfergabe nicht wegen dem Weinen der geschiedenen Frauen verwarf, sondern wegen der unrechtmässigen Scheidung (2,16), egal ob die Frauen weinten oder nicht. Deshalb ziehen wir die Übersetzung "weil" vor (so auch ELB 2006, NeÜ, LUT, EU, GNB, HfA, NLB, Zürcher, Maier, Buber).

14 Und ihr sprecht: „Warum?“ Weil der HERR Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, da sie doch deine Gefährtin und die Frau deines Bundes ist.

V 14 | Die geistliche Blindheit des Volkes war so weit fortgeschritten, dass sie keinen Zusammenhang sahen zwischen ihren Sünden und dem ausbleibenden Segen. Sie fragten daher "Warum?". Das war die vierte Frage des Volkes, die der HERR trotz ihrer Frechheit beantwortete und auf eine weitere Treulosigkeit hinwies: "Weil der HERR Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast".  "Die Frau deiner Jugend" ist die Ehefrau, der die alleinige Liebe und Treue gehört (Spr 5,15-20). Beim Eheversprechen jeder Trauung ist "der HERR Zeuge", ja Er fügt Mann und Frau zusammen (Mt 19,6). Wenn die Männer Israels "treulos" gegen ihre Ehefrauen handelten, indem sie sich unrechtmässig scheiden liessen (siehe Auslegung zu 2,16), dann richtete sich ihre Sünde in mehrfacher Hinsicht gegen den HERRN (Vgl. Ps 51,6).

Was nun bis zum Ende von 2,16 folgte, war ein erschütternder Appell an den Verstand des Menschen. Warum sollte jemand treulos seiner Ehefrau oder seinem Ehemann werden und sich scheiden lassen? Die Ehefrau ist doch seine "Gefährtin" und seine Hilfe (Gen 2,18) und der Ehemann ihr Vertrauter (Spr 2,17). Sie ist die "Frau seines Bundes", er ist der Mann ihres Bundes und indem der HERR beide zusammenfügt, ist der Ehebund auch ein Bund Gottes (Spr 2,17).

15 Das tut keiner, in dem noch ein Rest von Verstand ist.[2] Und was sucht dieser eine? Er sucht einen Samen Gottes. So hütet euch in eurem Geist, und handle nicht treulos gegen die Frau deiner Jugend!

V 15 | Macht so etwas jemand, der noch einen Funken Verstand hat? Nein, "Das tut keiner, in dem noch ein Rest von Verstand ist." In den Sprüchen heisst es: "Sprich zur Weisheit: „Du bist meine Schwester!“, und nenne den Verstand deinen Verwandten, damit sie dich vor der fremden Frau bewahre," (Spr 7,4-5a). Und wer sich mit einer fremden Frau einlässt, wird ein Jüngling ohne Verstand genannt (Spr 7,7). Werner Mücher schrieb folgendes:

"Kann jemand seine Frau wegschicken, wenn er noch einigermassen bei Verstand ist? Wir sind zu sehr daran gewöhnt, dass moralisches Verhalten nichts mit dem Geist (dem Verstand) eines Menschen zu tun hat. Die Sicht Gottes ist da ganz anders. Er lässt beispielsweise durch Hosea Seinem Volk sagen: "Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg" (Hos 4,11)."[1]

"Und was sucht dieser eine? Er sucht einen Samen Gottes." Der Jude, der noch zumindest ein wenig Verstand besass, suchte eine Nachkommenschaft, die Gottes Willen entspricht und Gottes Segen hat. Welcher Jude wollte denn schon Nachkommen des Ehebrechers und der Hure (Jes 57,3)? Welcher Jude wollte Nachkommen der Übeltäter (Jes 14,20)? Keiner, der bei Verstand war! Daher der anschliessende Aufruf Maleachis, der auch dem Christusgläubigen gilt: "So hütet euch in eurem Geist (Verstand), und handle nicht treulos gegen die Frau deiner Jugend!" Mit anderen Worten: Bewahrt euren Verstand (Vgl. Röm 12,2; 2Tim 1,7; 1Pt 1,13; siehe auch Mt 22,37) und bleibt eurem Ehepartner treu!

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[1] Werner Mücher, Der Prophet Maleachi, S. 71

[2] Übersetzt nach der NeÜ. CSV Elberfelder: "Und hat nicht einer sie gemacht? Und sein war der Überrest des Geistes." Die entscheidende Frage ist, ob sich "Geist" auf den Heiligen Geist oder auf den menschlichen Geist (im Sinne des Verstandes) bezieht. Nach der goldenen Regel der Auslegung, dass dasselbe Wort im selben Kontext dasselbe bedeutet, muss es sich auf den Verstand beziehen, da "Geist" im Anschluss zweimal für den menschlichen Verstand steht (2,15.16). In diesem Fall wird das hebräische "nicht einer" zu "keiner" und so haben es auch die Juden im 3. Jahrhundert v.Chr. verstanden: "Aber kein anderer tat so, in dem noch ein Rest seines Geistes ist." (LXX; so auch LUT, Menge, EU, GNB, NLB, Zürcher, Maier, Edition C)

16 Denn wer hasst, wer entlässt[4], spricht der HERR, der Gott Israels, der bedeckt mit Gewalttat sein Gewand, spricht der HERR der Heerscharen. So hütet euch in eurem Geist, dass ihr nicht treulos handelt!

V 16 | Nun zeigte sich, auf welche Weise die jüdischen Männer ihren Ehefrauen gegenüber treulos waren: "Denn wer hasst, wer entlässt", womit es sich um Scheidungen handelte. Dazu sagte "der HERR, der Gott Israels", dass derjenige "bedeckt mit Gewalttat sein Gewand". Anders ausgedrückt: Wer seine Frau hasst und sich von ihr scheidet, der macht sein Verbrechen öffentlich bekannt. Viele Verkündiger sehen diese Aussage als Gottes grundsätzliche Sicht über Scheidung. Bedenken wir aber, dass die ganze Botschaft Maleachis ein Rückruf zum mosaischen Gesetz war (3,22), dann bewegte sich die vorliegende Aussage auch im entsprechend spezifischen Rahmen. Gerhard Maier beobachtete daher zu Recht:

"Wichtig ist der doppelte Bezug auf Dt 24,1-4. Denn sowohl "hassen" als auch "entlassen" sind dort typische Worte. Wir haben also geradezu einen authentischen, von Gott selbst gegebenen Kommentar zu Dt 24,1-4 vor uns!"[1]

In Dt 24,1-4 findet sich der einzige mosaische Gesetzestext über eine rechtmässige Scheidung, nämlich im Falle sexueller Unvereinbarkeit[2]. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Gesetz immer öfters dazu missbraucht, sich aus jedem erdenkbaren Grund scheiden zu dürfen (Vgl. Mt 19,3) und zur Zeit Maleachis war die Scheidungsrate bereits astronomisch hoch (Neh 13,23-28). Daher stand der Prophet nun auf und wies darauf hin, dass seine Frau zu hassen[3] alleine nicht ausreicht für eine rechtmässige Scheidung. Nein, die sexuelle Unvereinbarkeit (das Anstössige in Dt 24,1) muss ebenfalls vorhanden sein, ansonsten ist es ein Gesetzesbruch und damit ein (öffentliches) Verbrechen. Wer scheidet sich denn schon auf Grund eines schwindenden Verliebtheitsgefühls? Wer scheidet sich schon so leichtfertig und kurzsichtig? Niemand, der ein wenig Verstand hat! Daher noch einmal dieser wichtige Apell: "So hütet euch in eurem Geist (Verstand), dass ihr nicht treulos handelt!" oder wie es in den Sprüchen heisst: "mit allem, was du erworben hast, erwirb Verstand." (Spr 4,7b).

Abschlussstatement: In Maleachi 2,16 sagte der HERR nicht, dass er Scheidung hasst, sehr wohl aber, dass er unrechtmässige Scheidung hasst.

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[1] Gerhard Maier, Wuppertaler Studienbibel Prophet Maleachi, S. 162

[2] Siehe dazu die ausführliche Studie im Skript von Reinhard Briggeler "Scheidung-Wiederheirat_©_Reinhard_Briggeler.pdf".

[3] Zur Bedeutung des Wortes "hassen", siehe die Auslegung zu 1,2c-3a. Dort wurde dasselbe Wort benutzt.

[4] Übersetzt nach Maier. CSV Elberfelder: "Denn ich hasse Entlassung". Sprachlich ist beides möglich. Die entscheidende Frage ist, ob sich das "hassen" auf den scheidenden Mann oder auf Gott bezieht, da im Hebräischen das Personalpronomen fehlt. Im zweiten Satzteil wird das Subjekt jedoch bestimmt: "der bedeckt mit Gewalttat sein Gewand", womit sich "hassen" zweifellos auf den Mann bezieht, der seine Frau entlässt (scheidet). Folglich bleibt das Subjekt wie schon in 2,13-15 der scheidende Mann, was auch besser zur Gesamtbotschaft Maleachis passt. Die Juden im 3. Jahrhundert v.Chr. haben es ebenfalls so verstanden: "Aber wenn du sie hasst und sie wegschickst" (LXX; so auch NeÜ, LUT, EU, GNB, Buber, Edition C).

Exkurs II: Scheidung und Wiederheirat

Wie die Auslegung gezeigt hat, ist Mal 2,16 ein Kommentar zu Dt 24,1-4. Dies ist aber nicht alles, was die Bibel zum Thema Scheidung und Wiederheirat zu sagen hat. Für eine gesamtbiblische Übersicht dieses Themas, empfehlen wir das ausführliche Skript von Reinhard Briggeler "Scheidung-Wiederheirat_©_Reinhard_Briggeler.pdf". Nachfolgend die kurze Zusammenfassung jener Studie:

 

Vier grundsätzliche (zeitlose) Prinzipien:

 

- Ehe ist ein von Gott geschaffenes Konzept
- Scheidung hingegen ist ein vom Menschen eingeführtes Konzept (Folge des Sündenfalls)
- Scheidung wird nie empfohlen, sondern nur toleriert, bzw. geregelt. Ausnahme: Religiöse Unvereinbarkeit im AT (Esr 10,11)
- Gott hasst unrechtmässige Scheidung (Vgl. Mal 2,16)

 

Im AT gibt es zwei rechtmässige Scheidungsgründe, die im NT aufgehoben und durch zwei neue Scheidungsgründe ersetzt werden. Eine gewisse Verwandtschaft ist dennoch zu erkennen:

                                     

Altes Testament

Bibelstelle

Neues Testament

Bibelstelle

Sexuelle Unvereinbarkeit

Dt 24,1-4; Vgl. Num 30; Jer,1-11

Ehebruch (Unzucht)

Mt 5,31-32; 19,1-12

Religiöse Unvereinbarkeit

Esr 9-10; Neh 13,23-31

Gemischte Ehe

1Kor 7,12-16

 

Vier Gründe für eine biblisch legitimierte Wiederheirat im NT:

 

1. Tod des Ehepartners

2. Wenn die Scheidung aufgrund von Ehebruch (Porneia) erfolgt ist

3. Wenn die Scheidung erfolgt ist, weil der ungläubige Partner die Verbindung auflösen wollte

4. Wenn eine Person zum Zeitpunkt der Erlösung ein Single ist. Dies unabhängig davon, wie oft sie in der Vergangenheit verheiratet war und sich scheiden liess. In der Erlösung sind alle Sünden der Vergangenheit (des alten Lebens) vergeben (gewaschen durch des Lammes Blut). Er/sie ist eine ganz neue Schöpfung (2Kor 5,17). Von diesem Zeitpunkt an ist er/sie frei, wieder zu heiraten.

D Der Engel des Bundes | 2,17–3,6

Die sechste freche Frage des Volkes (2,17), führte zum Zentrum der ganzen Botschaft: Der Engel des Bundes (3,1). Dieser Abschnitt bildet gleichzeitig die Ausgangslage wie auch das Endziel aller anderen Abschnitte des Buches Maleachi (3,2-6). Der Schlüssel lag also darin zu verstehen, wer dieser Engel des Bundes ist.

D.1 Wo ist der Gott des Gerichts? | 2,17

17 Ihr habt den HERRN mit euren Worten ermüdet; und ihr sprecht: „Womit haben wir ihn ermüdet?“ Damit, dass ihr sagt: „Jeder Übeltäter ist gut in den Augen des HERRN, und an ihnen hat er Gefallen“; oder: „Wo ist der Gott des Gerichts?“

V 17 | Mit "Ihr habt den HERRN mit euren Worten ermüdet", zog der Prophet Bilanz über die bisherigen frechen Fragen und Aussagen des Volkes. Sie ermüdeten dabei jedoch nicht den Propheten, sondern den "HERRN" selbst. Gott ermüdet sicherlich nicht schnell, Er hat eine unermessliche Geduld mit dem Menschen (Vgl. Jes 40,28). Doch die Sünden des Volkes ermüdeten Ihn aufgrund ihrer Widerspenstigkeit und Herzenshärte (Vgl. Jes 43,24). Das Volk war sich wieder nichts bewusst:

"Womit haben wir ihn ermüdet?" Auch diese fünfte Frage hätte keine Antwort verdient, doch der Prophet antwortete, indem er sie zitierte: "Jeder Übeltäter ist gut in den Augen des HERRN". Das war ein Frontalangriff auf Gottes Heiligkeit, Gnade und Geduld und eine Verdrehung Seines Wortes (u.a. Dt 4,25-28). Warum dachten sie auf diese Weise? Weil der HERR dem Bösen ja gar nicht mit Gericht Einhalt gebot. So spotteten sie über Ihn: "Wo ist der Gott des Gerichts?" (Vgl. 2Pt 3,3-7)



 

© Copyright

© Bibeltext: Elberfelder Übersetzung (Edition CSV Hückeswagen), © Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen, alle Rechte vorbehalten, www.csv-bibel.de

© Publikationen: Christliches Zentrum Bern, alle Rechte vorbehalten

 

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